Wie darf ein Flüchtling sein, der Pegida, der AfD und vielen Deutschen genehm ist?

Leider lese ich sehr viel schlimme Dinge bei Facebook, Twitter und in so manch einer Zeitung oder einem Magazin. Ich höre im Radio Herrn Seehofer und Kollegen, die nach einer Flüchtlingsobergrenze schreien, als kennten sie das Grundgesetz und das Grundrecht auf Asyl nicht. Ich bin entsetzt, wenn ich mitbekomme, welche Staaten zu sicheren Herkunftsländern deklariert werden, trauere um Menschen, die bereits in den Fluten des Mittelmeers ums Leben gekommen sind und um die, die es in Zukunft wohl werden – wahrscheinlich wieder mit steigender Tendenz, da unser Staat das Recht auf Familiennachzug stärker begrenzen will und sich somit sicher wieder mehr Frauen und Kinder auf den Weg machen werden.

Und ich sehe, wie gut es mir mit alledem doch geht. Ich habe nicht nur ein Dach über dem Kopf, ich habe drei mittlerweile erwachsene und gesunde Kinder, ein Enkelkind, habe Arbeit, meine Kinder auch, fahre Auto, habe immer gutes Essen, sauberes Wasser, habe Strom, fließend warmes Wasser, Heizung…

Dann überlege ich, warum so viele Menschen so viel Unsinn über Flüchtlinge schreiben und finde schon das Wort Flüchtling langsam pervers, weil es doch verschleiert, dass es Menschen sind, über die wir da reden. Menschen, deren Häuser zerbombt wurden, die als Soldaten missbraucht werden sollen, deren Leben bedroht ist. Kinder, die nicht zur Schule gehen können, Frauen und Männer, deren Arbeitsplatz nicht mehr vorhanden ist, ja und auch Menschen, die vom Hunger bedroht sind oder sogar hungern müssen.

Kommen diese Menschen dann über tausende Kilometer zu Fuß gelaufen und haben dann noch ein Smartphone dabei, schreien hier viele, dass es diesen „Flüchtlingen“ ja gar nicht so schlecht gehe, hätten sie aber keine Smartphones, wären sie in deren Augen wiederum reine Wirtschaftsflüchtlinge. Hier wird geschrieen, dass fast nur gesunde, junge Männer kämen – und niemand fragt ernsthaft nach, warum wohl mehr junge Männer als schwangere, genauso vom Leben bedrohte Frauen hier ankommen? Wen würde wohl eine Familie hier in die Ungewissheit losschicken, wäre das Leben der Familie in Gefahr? Die Oma, die kaum noch laufen kann? Die hoch-schwangere Schwester, die auf einem monatedauernden Fußmarsch vielleicht noch vergewaltigt wird und ihr Kind irgendwo unterwegs gebähren würde? Oder eben doch den eher kräftigen, gesunden, jungen Mann, der die besten Chancen hat? Und der dann seine Familie ganz regulär hierher holen darf?

Liebe Mitmenschen, überlegt doch bitte erst einmal, bevor ihr auf die armen Menschen einschlagt, die nun wirklich nichts dafür können, dass ihnen bei sich Zuhause die Lebensgrundlage entzogen wurde. Und sorgt doch mit dafür, dass die Welt endlich ein wenig gerechter wird, so dass auch Menschen in armen Ländern ein lebenswertes Leben haben können. Die meisten Menschen jedenfalls verlassen ihre Heimat nicht, weil es in Deutschland so tolle Transfer-Leistungen gibt. Die würden lieber Daheim bleiben, in Ruhe dort leben können, wo ihre Freunde und Familien leben, wo ihre Herkunft ist.

Woher kommt bei uns nur immer diese Neid-Debatte? Warum werden so viele Lügen verbreitet? Da behauptet sogar ein relativ prominenter vegan-essender Mann mit deutlich-sichtbarem Migrationshintergrund, dass eine deutsche Familie aus ihrer Wohnung geworfen worden sein soll, um Flüchtlinge unterzubringen. Wer glaubt denn tatsächlich, dass eine Flüchtlingsfamillie ihm seine Wohnung wegnehmen könnte? Wer verliert tatsächlich seinen Arbeitsplatz, damit ein Flüchtling diesen fortan ausfüllen kann?

Mein Arbeitsplatz jedenfalls ist nicht gefährdet. Wäre er es, wäre entweder eine wirtschaftliche Schieflage des Unternehmens daran Schuld oder ich selbst, weil ich meinen Job nicht richtig mache oder meinem Arbeitgeber schade.

Und sexuell belästigt wurde ich in meinem Leben auch, sogar sexuell missbraucht – von einem deutschen Familienvater zum Beispiel. Wenn ich lese, dass einzelne Kommunen Flüchtlingen per se Hausverbot für Schwimmbäder erteilen, dann ist das ganz eindeutig eine Diskiminierung, die gegen das Grundgesetz verstößt. Deutsche Jungendliche sind ja auch nicht per se ausgeschlossen sondern müssen sich schon individuell selbst daneben benommen haben, um ein Hausverbot ausgesprochen zu bekommen.

Ich appeliere an Euch und an Sie: Denkt/en Sie doch bitte erst einmal nach, bevor Ihr/Sie helft/en, Gerüchte und somit auch Hass zu verbreiten!

Super-, hyper, giga-Manie beim Essen

Super-, hyper, giga-Manie beim Essen

Warum benötigen wir Menschen alles immer in super, hyper – also in Superlativen? Wonach suchen wir, wenn wir diese Begriffe nutzen?

Ein leckeres Essen reicht lange schon nicht mehr, wenn es nicht zumindest angereichert ist mit Superfoods. Was ist schon ein deftiger Eintopf im Herbst oder Winter? Hausbacken und ja, vielleicht auch lecker. Bereite ich mein Essen hingegen mit Superfoods zu, dann bin ich hip, das Essen strotzt nur so vor positiver Energie und ich werde, wenn ich das Esse nicht nur schlank sondern auch noch fit, gesund und sichere mir ein langes Leben mit absolut jugendlichem Aussehen?

Die Heilkraft bestimmter Lebensmittel wird in den Medien rauf und runter gebetet. Mal ist es der Tausendsassa Brokkoli, ein anderes Mal das Wunder „Chiasamen“ oder gar der Fatburner Ananas. Und dann lesen wir: „Wissenschaftler haben festgestellt“. Dazu fällt mir nur ein Lied meiner Kindertage ein: „Die Wissenschaft hat festgestellt, festgestellt, festgestellt, dass Marmelade Fett enthält, Fett enthält…“

Warum benötigen Menschen mit Vitaminen angereicherte Süßigkeiten, wenn ich die Vitamine preiswerter, vollständiger und mit sekundären Pflanzenstoffen zusammen in Form eines saftigen Apfels, einer süßen Banane oder süß-sauren Beeren – je nach Saison – zu mir nehmen kann?

Merken wir gar nicht mehr, wie wir von der Lebensmittelindustrie für dumm verkauft werden? Sind wir inzwischen gar so dumm, dass wir die Heilsversprechen glauben? Brauchen wir eine Lehrmeinung, um uns gesund zu ernähren? Benötigen wir Essenspläne? Benötigen wir Diäten, wenn wir eigentlich nur etwas faul und deswegen übergewichtig sind, um in 4 Wochen zur Bikini-Figur zu kommen? Ist „low-carb“ die richtige Antwort auf unsere Wohlstandsbäuche?

Ich lebe nun schon seit einigen Jahren vegan. Natürlich habe auch ich schon das eine oder andere Fertigprodukt an Käse- oder Fleisch-Ersatz probiert, natürlich bin ich auch manchmal viel zu faul, um zu kochen und möchte dennoch lecker essen. Nur: zu oft bereue ich es dann, weil diese Fertigprodukte mir weder schmecken noch besonders gut tun, weil sie mitunter sehr schwer im Magen liegen, ich danach dank Geschmacksverstärkern großen Durst verspüre und sie zudem meist völlig überteuert sind. Von den Inhaltsstoffen mal ganz zu schweigen. Denn auch vegane Fertig- oder Teilfertigprodukte sind vor allem meist besonders fettreich.

Es gibt zwar auch einige Produkte, die ganz lecker schmecken, doch auch sie sind zumindest von den Inhaltsstoffen eher zweifelhaft und ich muss schon etwas tiefer ins Portemonnaie greifen.

Im Grunde bin ich aber froh, dass ich vegan esse. Denn das erspart mir viele Dinge. Wenn ich in unsere immer größer werdenden Supermärkte gucke, finde ich immer weniger Grundnahrungsmittel wie Obst und Gemüse, Nudeln oder Reis. Dafür nehmen Fertigmischungen, Tütchen, tiefgefrorene Menüs, gekühlte „Feinkost“, fertig-gemischte Müslis, Joghurts in hunderten Varianten (meist mit extrem viel Zucker), Biermischgetränken, Wurst- und Käsevariationen immer mehr Raum ein. Mit ganz viel Zucker und ebenso viel Fett. Und so sehen wir Deutsche auch mittlerweile aus.

Weil wir dann so aussehen, benötigen wir eine neue Heilslehre, um die Pfunde, nein Kilos (!) wieder schwinden zu lassen. Früher schwörten die Frauen auf die Körnerdiät, dann kam die Kohldiät, die Eier-Diät, die Spargeldiät… und heute ist es schlichtweg „low carb“. Dann sind Nudeln, Kartoffeln und Reis oder anderes Getreide plötzlich böse und wir alle benötigen auf einmal unglaublich viel Eiweiß, weil es sättigt und die Muskeln, nicht aber das Fett wachsen lässt. Die Kohlehydrate aus den Kartoffeln hingegen machen uns fett. Und wenn wir schon beim low-carb sind, dürfen wir gerne auch etwas mehr Fett essen, was ja eh nicht ausbleibt, weil selbst das viel gelobte Hühnerfleisch gut und gerne einen Fettanteil von über 50 Prozent haben kann.

Komisch nur, dass wir Menschen früher vor allem Kohlehydrate zum Sattessen hatten und dabei nicht so fett waren: Kartoffeln und Gemüse mit einer kleinen Fleischbeilage. Wir hatten noch nicht die Wahl zwischen Gemüse in Sahnesauce, mit Gorgonzala, mit feiner Butter etc. sondern wir kochten Mohrrüben, Erbsen, Bohnen, Kohl. Wir kauften unser Brot beim Bäcker – im Supermarkt gab es das ja auch noch nicht so frisch wie heute – und hatten die Wahl zwischen Vollkornbrot, Heidebrot, Landbrot oder Weißbrot. Nachdem wir jetzt ja low-carb essen (müssen), brauchen wir nun Brot mit Eiweiß, auf dass wir unsere Käse- oder Wurstscheiben legen. Und wundern uns, dass wir trotz low-carb auf Dauer immer dicker und vor allem auch unzufriedener werden.

Liebe Mitmenschen, ich finde eines: Essen soll zunächst erst mal sättigen und dann natürlich auch gut schmecken! Das erreichen wir vor allem dann, wenn wir gute Zutaten kaufen und unser Essen selbst zubereiten. Dann können wir die Würze bestimmen, den Zucker- und den Fettanteil. Vor allem aber auch wird sich unser Körper mit einem gesunden Appetit wieder melden, d. h. er sagt uns, was uns gerade fehlt. Wenn wir dann also Appetit auf bestimmte Nahrungsmittel haben, wissen wir, genau das benötigen wir.

 

Terror ist immer nur Terror

Entsetzen, Wut, Trauer, Ohnmacht, Mitgefühl, Angst, Trotz – ein totales Wirrwarr an Gefühlen ergriff mich am Freitagabend, nachdem ich von den Anschlägen in Paris gehört hatte. Wie sicher die meisten von uns habe ich versucht, mehr Informationen zu erhalten, wollte erst einmal wissen, was überhaupt passiert ist, mich von vorschnellen Bewertungen fern halten.

Nun ist ein Wochenende vergangen. Es gibt mit Sicherheit immer noch eine Menge Fehlinformationen und doch klärt sich das Bild – und die Erkenntnis, dass der genaue Tathergang und vieles mehr für mich völlig irrelevant sind. Fakt ist doch: Es sind Menschen verletzt und getötet worden. Und zwar von Menschen, von Terroristen, von Mördern! Von Mördern, die kein persönliches Motiv für diese Gewalttaten hatten, von Mördern, die in keinem Verhältnis zu den Opfern standen. Dass einige dieser Mörder sich selbst ebenfalls getötet haben, macht die Sache nicht besser. Auch wenn sie sich zu Lebenszeiten mit einer solchen Tat direkt in den Himmel befördern wollten, nüchtern betrachtet sind das radikalisierte Menschen gewesen, die blindlings – nein nicht einer Religion sondern – Hasspredigern gefolgt sind. Und nun sind auch diese Menschen tot, einfach nur tot. Und Terror ist einfach nur Terror!

Obwohl ich mit christlicher Erziehung aufgewachsen bin, als Kind nicht nur meine Abendgebete gesprochen habe, habe ich mit Religion nicht (mehr) viel am Hut. Ich glaube nicht an eine höhere Bestimmung, nicht an Gott, nicht an Schicksal. Ich glaube allerdings an das Hier und Jetzt, an das Leben und daran, dass ich hier ein schönes Leben haben kann, wenn ich es mir entsprechend gestalte. Dabei bin ich mir auch im klaren, dass ich privilegiert bin. Ich bin in einem friedlichen Land aufgewachsen. Der letzte Krieg ist 70 Jahre her. In unserem Land lauern die größten Gefahren vielleicht im Leben selbst.

Ich muss aber nicht hungern oder dursten. Ich muss nicht frieren, habe für alles und jedes tolle Hilfsmittel – sei es für längere Strecken das Auto, den öffentlichen Personenverkehr, das Fahrrad, das Motorrad oder zur Bildung und Kommunikation das Internet per Computer, Tablet oder Smartphone. Sauberes Trinkwasser kommt aus der Leitung. Feuer, sofern ich überhaupt welches haben will, also zum Kerzen anzünden oder dergleichen, habe ich ein Feuerzeug zur Verfügung. Im Vergleich zu Menschen in anderen Ländern habe ich es wirklich unglaublich luxuriös. Wir haben hier eine tolle medizinische Versorgung und sind krankenversichert. Unsere Kinder wachsen behütet auf, können ohne Schulgeld Bildung genießen. Wir haben Supermärkte, die einen Überfluss an auch überflüssigen Dingen für uns bereit halten.

Natürlich hat in unserem Land jeder auch Einschränkungen. Wir haben zwar eine freie Berufswahl, jedoch können wir diese nicht immer wirklich ausüben. Wir wachsen auch mit völlig unterschiedlichen Chancen auf. Der eine in einem Haushalt, der von Hartz4 lebt, der andere in einem wohlhabenden Elternhaus, in dem er sich frei entfalten kann. Und doch können wir aus diesen unterschiedlichen Voraussetzungen heraus eine Menge wählen. Wir können entscheiden, wie wir mit den uns mitgegebenen Dingen umgehen. Ob wir uns mit Dingen zufrieden geben oder wir mehr erreichen wollen. Wir können uns das ganze Leben lang weiterbilden, können uns aus einem ungeliebten Beruf verabschieden, etwas Neues anfangen. Wir können, sofern wir es wollen, ständig unseren Horizont erweitern.

Über das Denken habe ich schon im jugendlichen Alter für mich die Erkenntnis gewonnen, dass Religion eine Art Leitfaden für Menschen ist, mit denen Menschen gelenkt werden. Religion hat viel auch mit Macht und Machtsicherung zu tun. Und je stärker Religion zur Abgrenzung zu anderen genutzt wird, desto zerstörerischer ist ihre Wirkung. Und zwar nach außen, oft aber eben auch nach innen. Religionen setzen Grenzen und fordern ein bestimmtes Verhalten. Sie geben sicher manchem Menschen damit Sicherheit, jedoch schränken sie eben auch ein. Ich muss weniger denken und weniger selbst entscheiden, dafür mehr (Regeln) lernen und weniger verantworten, wenn ich mich einer Religion anschließe. Denn ich kann meine Verantwortung für mein Handeln und Nichtstun mit der Religion rechtfertigen.

Ich bin davon überzeugt, dass wir Menschen gerne Dinge automatisieren, nicht dauernd über alles und jedes neu entscheiden wollen. Der Abwägungsprozess dauert, wir würden gelähmt, hätten wir keine Regeln, keine Normen, keine Automatisierung von Handlungsmustern. Wer Autofahren lernt, muss bewusst blinken, in den Spiegel schauen, kuppeln, bremsen etc.. Nach einer gewissen Fahrpraxis jedoch machen wir diese ganzen Dinge quasi automatisch. Wir denken nicht mehr darüber nach. Wir denken auch nicht mehr darüber nach, ob das runde Schild mit der Zahl in der Mitte eine bestimmte Bedeutung hat, wir halten uns (meist) an das Tempolimit und wissen in jedem Fall, dass wir dort nicht schneller fahren dürfen.

Wir verinnerlichen also Handlungsabläufe und sie erleichtern unser Dasein. Wir halten uns an Regeln, weil sie uns helfen. Oder wir legen diese Regeln für uns aus, wenn wir auf der falschen Seite auf dem Fahrradweg fahren, weil der Weg kürzer ist. Wir verweigern die Hand beim Guten-Tag-Sagen, wenn eine Grippewelle heranrollt, wissen aber, dass es eigentlich unhöflich ist. Viele Regeln erleichtern also nicht nur unser eigenes Leben sondern und vor allem das Zusammenleben mit anderen Menschen. Somit aber auch wieder unser Leben, weil Regeln Konflikte vermeiden – sofern sich alle daran halten bzw. alle nach den gleichen Regeln handeln.

Das aber ist im Kleinen viel einfacher als im Großen. Innerhalb der Familie leichter als innerhalb des Mehrfamilienhauses. Innerhalb der Stadt leichter als innerhalb des ganzen Landes. Innerhalb eines Staates leichter als innerhalb einer Staatenunion. Außerhalb einer Staatenunion oder Bündnisse funktionieren unsere Regeln nicht mehr. Wir müssen erst Regeln mit anderen Staaten, Bündnissen etc. verbindlich vereinbaren.

Nicht anders sieht das mit Religionen aus. Selbst innerhalb einer Religion kommt es zu Konflikten. Beim Aufeinandertreffen verschiedener Religionen gibt es nicht nur Verständnisprobleme. Bin ich von einer Religion überzeugt, so kann die andere ja kaum richtig sein, denn sie ist ja anders. Hat der andere also unrecht. Nur: der andere ist von seiner Religion genauso überzeugt, handelt nach ihr. Und nun?

Je dogmatischer Religionen und deren Interpreten und/oder Führer sind, desto schwieriger wird ein friedliches Miteinander.

Diese Erklärung reicht natürlich nicht aus, um die Terrorakte von Paris nachvollziehen zu können. Hier spielen natürlich noch ganz andere Dinge eine Rolle – nicht zuletzt knallharte wirtschaftliche Interessen, Neid, Rache, Unzufriedenheit, Gier, Gefallsucht, Machthunger oder Rechthaberei. Also völlig menschliche Eigenschaften, die wir unter anderem mit der jeweiligen Religion zu bändigen versuchen, in ihrer heftigen Ausprägung.

Wer keinem Glauben anhängt, nicht an (einen) Gott glaubt, kann sich nun nicht mehr hinter angeblich religiösen Zielen verstecken. Andere Menschen wie früher die Kreuzritter und heute die IS-Kämpfer merken wegen ihres (fanatischen) Glaubens meist nicht einmal, dass sie lediglich instrumentalisiert werden und dass sie mit ihrem blinden Handeln dem vermeintlichen Paradies nicht einen Zentimeter näher gekommen sind sondern lediglich Angst und Schrecken verbreiten und dadurch auch ihren Angehörigen keinen Gefallen tun. Denn Gewalt erzeugt Gegengewalt.

Dem Entsetzen und der Trauer folgen Wut und Vergeltungswunsch. Schon hören wir Stimmen von Menschen, die zur Vergeltung aufrufen, von Kampf ist die Rede, von Krieg. Menschen, die mit den Terrorakten nichts zu tun haben, werden darunter leiden, weil sie einer Religion angehören, in deren angeblichen Namen gemordet wurde. Dabei sind sie genau vor dem Leid und der Unterdrückung geflohen, die von fanatischen oder fundamentalistischen Glaubenskriegern ausgehen.

Mag sein, dass unter den Flüchtlingen sich auch radikalisierte Islamisten befinden, ausschließen können wir das nicht. Die Konsequenz darf aber nun nicht sein, den Flüchtlingen nicht mehr zu helfen. Vielmehr müssen wir zum einen dafür sorgen, dass hier alle registriert werden – zu ihrem und zu unserem Schutz –, zum anderen ein Einwanderungsgesetz und somit legale Möglichkeiten schaffen sowie ganz wichtig: die Ursachen für Flucht beseitigen. Doch gerade der letzte Punkt ist unbequem für uns und natürlich sehr komplex!

Es ist lange schon Zeit

dass ich mich wieder zu Wort melde.

Mich beschäftigen derzeit eine Menge Dinge. Vor allem die gefühlt deutlich angestiegene Fremdenfeindlichkeit bei uns, lässt mich nicht ruhen. Zumindest auf Facebook mache ich auch immer mal wieder meiner Wut Luft. Doch das alleine reicht nicht. Wir müssen Vorurteilen entgegen wirken und unserem deutschen Mitmenschen Aspekte zeigen, über die sie selbst einmal nachdenken sollten.

Ein solcher Punkt sind die ständigen Behauptungen, den Flüchtlingen hier würde es viel zu gut gehen. Alle hätten aktuellste Handys, würden mehr Geld als Hartz4-Empfänger bekommen und nutzten sogar Taxis um von A nach B zu kommen. Die Erwartungshaltung dahinter ist ganz sicher eine: ein Flüchtling hat ganz einfach vollumfänglich bedürftig zu sein. Er soll daher nicht besser leben als ein Hartz4-Empfänger und dankbar sein für alles, was er von uns erhält.

Zweifelsohne sind die meisten Flüchtlinge sehr dankbar, dass sie bei uns aufgenommen werden. In unserem Land gibt es keinen Krieg, niemand wird aufgrund seiner Religion, seiner Hautfarbe, seiner Meinung oder ethnischen Herkunft verfolgt oder gar mit dem Leben bedroht. Wir können jeden Tag einfach so vor die Tür gehen, ohne dass wir befürchten müssen, den Tag nicht zu überleben. Wir müssen auch nicht hungern.

Zurück zu unseren Erwartungen an einen Flüchtling: Wir erwarten also, dass ein Flüchtling nur mit dem, was er anhat hierher kommt. Dass er schlicht sehr arm ist. Gleichzeitig aber lehnt der Deutsche so genannte Wirtschaftsflüchtlinge ab. Diese sollen gefälligst in ihren Ländern bleiben und dort zusehen, wie sie über die Runden kommen. Wir in Deutschland wollen nur politisch-, religiös bzw. ethnisch Verfolgte oder Kriegsflüchtlinge aufnehmen. Doch genau diese Flüchtlinge, die hier Asyl beantragen, müssen nicht arm sein. Dass das Leben eines Menschen bedroht wird, hat per se erst einmal nichts mit seinem Einkommen oder Besitz zu tun. Bei Kriegsflüchtlingen ist das ebenso wenig der Fall. Nur weil in Syrien kein Stein mehr auf dem anderen steht, müssen gut ausgebildete Menschen, die vorher gut verdient haben, doch nicht plötzlich verarmt sein.

Auch deswegen ist es doch völlig in Ordnung, wenn ein Flüchtling mit dem Taxi durch Deutschland fährt. Wenn er versucht, sich sein Umfeld so zu schaffen, dass er sich wohlfühlt, müssen wir doch nicht die Nase darüber rümpfen.

Statt dessen sollten wir endlich mal aufhören, die Neid-Debatte der Zukurzgekommenen ausufern zu lassen und anzuheizen. Ich bin weit davon entfernt zu behaupten, dass es jedem Menschen in Deutschland rosig geht. Doch mitunter müssen die Menschen endlich mal aus ihrem Schneckenhaus heraus kommen und ihr Schicksal endlich in die Hand nehmen. Und vor allem müssen wir wieder lernen zufrieden zu sein mit dem, was wir besitzen. Wir sollten endlich wieder wertschätzen, dass wir in einem sicheren Land leben, fast alle ein warmes Dach über dem Kopf haben, dass wir Reisefreiheit genießen, die Freiheit, unseren Beruf zu wählen, kostenlos Schulen besuchen dürfen und so vieles mehr!

Obwohl ich mit Sicherheit nicht zu den Besser-Verdienenden gehöre, habe ich doch ein schönes Leben. Mein Lebensgefährte und ich können in einer schönen Wohnung leben, haben immer gut zu essen, weil ich sehr gerne koche, genügend Sachen zum Anziehen, verfügen über viel mehr Dinge als wir benötigten. Wir genießen unser Leben, obwohl wir kein eigenes Haus besitzen, keinen Neuwagen fahren und uns auch keine Fernreisen leisten können. Wir wissen aber: Wir haben es gut! Und genau darüber freuen wir uns jeden Tag!

Mein Beileid!

Es ist sehr traurig, dass gestern so viele Menschen bei dem Flugzeugabsturz gestorben sind. Und sicher treibt viele Menschen um, was zu dem Unglück beigetragen haben könnte. Der Mensch will Unbegreifbares begreifen, sucht einen Sinn in Dingen oder Geschehnissen, die einfach keinen Sinn ergeben.

Wer heute eine Zeitung aufschlägt, das Radio oder den Fernseher einschaltet oder ins Internet geht, wird allerdings konfrontiert mit mehr als Ursachenforschung oder Beileidsbekundungen. Da wird live zu Bergungsarbeiten geschaltet, es gibt Ticker, die angeblich im Minutentakt Neuigkeiten verbreiten, Zeugen- und Betroffenheitsberichte von allen möglichen Menschen.

Bildschirmfoto 2015-03-25 um 07.38.27 Hier ein Beispiel von n-tv vom 25. März. Hier gibt es einen Liveticker und der nächste Titel weist darauf hin, dass Behörden „makaberen Tourismus“ vermeiden wollen. So weit so gut. Wir haben uns wohl längst an Gaffer gewöhnt. Aber, und das meine ich jetzt ernst, trägt nicht genau eine solche Berichterstattung dazu bei, dass Menschen sich von dieser Art Sensationsjournalismus möglicherweise noch aufstacheln lassen?

Meine Frage hierzu: Muss es wirklich Liveticker geben, die uns ständig über angebliche Fortschritte bei den Bergungsarbeiten informieren? Wäre es nicht ausreichend, dass erst dann berichtet wird, wenn wirklich etwas Neues dazu gekommen ist? Wenn also vielleicht der zweite Flugschreiber gefunden wird, die Ursache für den Absturz ermittelt werden konnte? Mir kommt es so vor, als würden über diese – ich nenne es mal Wichtigtuerei – die Opfer und die Angehörigen in den Hintergrund gedrängt werden. Und ich finde, wir sollten den Angehörigen und Freunden die Gelegenheit zur Trauer geben, ohne dass ständig vermeintlich neue Schlagzeilen das Thema am Kochen halten.

Mir persönlich wäre eine neutrale Berichterstattung lieber.

Bildschirmfoto 2015-03-25 um 07.49.48 So etwas wie der Focus Online schreibt jedenfalls gehört für mich nicht in die Kategorie Qualitätsjournalismus. Ohne den Beitrag gelesen zu haben, kann ich sagen, dass (Ironiemodus on) ich auch dem Unglück entgangen bin, weil ich nicht an Bord war (Ironiemodus aus). Ja, es gibt immer wieder Menschen, die ein Flugzeug (oder Schiff, einen Bus, einen Zug oder eine sonstige Mitfahrgelegenheit) verpasst haben und dann nicht verunglücken. Nur welchen Nachrichtenwert hat denn bitte eine solche Geschichte? Es gibt wahrscheinlich auch Menschen, die verunglückten, weil sie ihren Flug nicht mehr erreicht haben. Sind das nun die nächsten Geschichten?

Bitte, liebe Mitmenschen, haltet einen Moment inne. Gedenkt der Opfer und steht den Angehörigen und Freunden bei. Das ist zur Stunde zu tun! Nicht aber zu spekulieren und damit Geld zu verdienen!

Das ist meine ganz persönliche Meinung!

Katharina Rosch

Gut gemeint ist oft schlecht getan #Pegida-Anhänger

Wie Ihr in meinem letzten Beitrag über Pegida gelesen habt, fühle ich mich in der Frage deutlich betroffen, denn ein Familienmitglied, welches sicher kein Nazi ist, hat bei Facebook Pegida geliked. Ich fühle mich über diesen Umstand empört, habe ihn allerdings genutzt, um mich mehr über Pegida und alle anderen Xgidas (X=Platzhalter für „Bra“, „L“ oder was auch immer) zu informieren. Wer ist das, was wollen sie?

Schnell habe ich das Positionspapier und alle möglichen Kommentare dazu gegoogelt. Doch was fange ich mit einer sehr dürftigen Information an? Das Positionspapier umfasst 19 Leitsätze, die viele Menschen sicher schnell (vorschnell) unterschreiben würden. Sie sind sehr allgemein und schwammig gehalten.

Beispiel gefällig?

„2. PEGIDA ist FÜR die Aufnahme des Rechtes auf und die Pflicht zur Integration ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland (bis jetzt ist da nur ein Recht auf Asyl verankert)!“ Hier wollen die Verfasser des Papiers also festhalten, dass Ausländer sich per Grundgesetz zu integrieren haben. Was aber genau Integration bedeutet, bleiben uns die Verfasser schuldig.

Oder:

„7. PEGIDA ist FÜR die Aufstockung der Mittel für die Polizei und GEGEN den Stellenabbau bei selbiger!“
Doch wofür sollen die Beamten eingesetzt werden? Menschen, die schon einmal Opfer einer kriminellen Tat geworden sind, unterschreiben das bestimmt gerne.
Noch was gefällig?
„16. PEGIDA ist GEGEN das Zulassen von Parallelgesellschaften/Parallelgerichte in unserer Mitte, wie Sharia-Gerichte, Sharia-Polizei, Friedensrichter usw.“
Haben die Verfasser einmal ein Blick in das weiter oben zitierte Grundgesetz geworfen? Steht unsere Gerichtsbarkeit in dieser Richtung überhaupt in Frage? Nein, natürlich nicht. Das einzige, was wir derzeit in unserer Gerichtsbarkeit befürchten müssen, spielt sich von westlicher Seite ab: Stichwort TTIP.
Was mich vor allem sehr stutzig macht, ist der Umstand, dass die Pegida-Bewegung sehr intransparent ist. Die Sprecher weigern sich mit der Presse zu sprechen und ihre Forderungen zu konkretisieren oder definieren. Es werden in den 19 so genannten Positionen Dinge durcheinander gewürfelt, die miteinander eigentlich so gar nichts miteinander zu tun haben. Oder was hat Gender-Mainstreaming mit Islamisierung zu tun? Und wozu benötigen wir im Zusammenhang mit einer vermeintlichen Islamisierung Volksentscheide?
Was mich nun allerdings wirklich gegen Pegida aufbringt: Die fehlende Distanzierung von Rechtsextremisten, der fehlende Diskurs mit den Medien, die rundweg mit dem Begriff „Lügenpresse“, der gerade zum Unwort des Jahres gewählt wurde, sind für mich die Hauptgründe. Genauso wie der Name „Patriotische Europäer gegen eine Islamisierung des Abendlandes“. Patriotische Europäer? Das ist per se schon widersinnig, denn Europa ist kein Land sondern ein Kontinent. Islamisierung? Wo findet denn eine Islamisierung statt? Allein durch Zuwanderung muslimischer Menschen? Wir haben in Deutschland aus gutem Grund die Religionsfreiheit! Ergo dürfen die Menschen muslimischen Glaubens auch ihren Glauben in Deutschland ausüben. Wir haben auch eine Trennung zwischen Staat und Kirche, die mir übrigens viel zu wenig ausgeprägt ist, denn mit der christlichen Kirche und unserem Staat gibt es noch enorme Verquickungen, vor allem, wenn es um Geld und Vermögen geht. Tja, und nun noch der Begriff Abendland. Hier handelt es sich um einen antiquierten Begriff mit einer antiquierten Weltsicht. (Die Menschen glaubten einmal, dass der westliche Teil Europas am dichtesten an der untergehenden Sonne läge.) Heute sprechen wir vor allem in Märchen und historischen Geschichten vom Morgen- und vom Abendland.
Okay, gehen wir einmal davon aus, dass die Menschen, die PEgeIdA (so müsste es ja eigentlich geschrieben werden) geschaffen haben, nach einem Begriff suchten, der sich abgekürzt gut sprechen lässt. Dann hätte es aber auch PageID heißen können – für Patrioten gegen eine Islamisierung Deutschlands. Heißt es aber nicht, okay, sieht auch aus wie der englische Begriff Page plus der Abkürzung ID… Spaß beiseite! Auch die extreme Durchorganisiertheit schon der ersten Demonstrationen lässt auf Vieles schließen, nicht aber auf Transparenz. Das Organisieren von Demonstrationen ist schon eine anstrengende und aufwändige Sache. Davon wissen Gewerkschafts- und Partei-Vertreter, die Friedensbewegung, die Anti-Atomkraft-Bewergung, Tierschutzorganisatoren etc. ein Lied zu singen. Wenn man aber noch nicht einmal eine Gruppe an Menschen zusammen hat, die die gleichen Interessen verfolgen, wie mobilisiert man dann Menschen, wenn man zugleich auch noch die Presse außen vorlässt?
 Alleine die offenen Fragen zeigen mir, dass Menschen, die dieser Bewegung Sympathie aussprechen, sich wenig bis gar nicht mit dem Hintergrund auseinander setzen, wenig nachdenken und Dinge nicht zu Ende denken. Viele dieser Menschen kennen mit Sicherheit noch nicht einmal das Positionspapier, würden aber wiederum aus diesem Papier ohne weitere Erläuterungen auch nicht alle Punkte gleichermaßen entschlossen unterschreiben wollen!
Und einmal am Rande bemerkt: Was die Errungenschaften unser „jüdisch-christlich geprägten Gesellschaft“ anbetrifft, so waren wir in Deutschland und im benachbarten Ausland keineswegs schon immer dem christlichen oder jüdischen Glauben zugetan. Die Menschen, die auf diesem Flecken Erde einmal lebten, sind zum Teil mit brachialer Waffengewalt zum christlichen Glauben gezwungen worden. Und bis heute halten sich heidnische Bräuche auch in unserer Kultur: Ostereier beispielsweise oder auch die gerade vor die Tür gestellten Weihnachtsbäume.
Noch eine kleine Randbemerkung: Heute feiern auch etliche Muslime mit deutschen Freunden, Bekannten, Familienteilen gemeinsam das Weihnachtsfest. Auch darin kann ich keine Islamisierung erkennen!

Pegida und sonstiger Rassismus

Liebe Freunde, Bekannte, Verwandte und Menschen, die mich kennen,

ich habe mich bislang nicht aus dem Fenster gelehnt mit meiner Meinung. Aber heute habe ich etwas bei Facebook gelesen, was mich entsetzt hat! Jemand aus meinem Familienkreis hat die Seiten von Pegida und Bragida mit „gefällt mir“ markiert. Ich bin schockiert. Noch fehlen mir die Worte, und ich weiß nicht, wie ich diesem Menschen in den Weihnachtstagen begegnen werde.

Aber ich merke, dass es Zeit geworden ist, dass ich mich deutlich für jeden sichtbar positioniere! Ich bin ein sehr friedliebender Mensch, empfinde Gleichberechtigung und Freiheit als unabdingbare Voraussetzungen für ein menschenwürdiges Leben. Gewalt und Unterdrückung, egal von wem sie kommen, lehne ich ab! Ich empfinde es als großes Glück, dass ich in ein Land wie Deutschland hineingeboren wurde, denn hier konnte ich mich halbwegs entwickeln, obwohl es auch hier in Deutschland noch nicht völlig rosig ist. Aber hier darf ich meine Meinung äußern ohne dafür bestraft werden zu können.

Wie viele andere Menschen habe ich auch Erfahrungen mit Menschen anderer Nationalität gemacht – in deren Ländern oder hier. Manchmal habe ich Schwierigkeiten mit Menschen anderer Nationalität gehabt, weil ich sie nicht verstanden habe. Ihre Worte nicht, weil ich ihrer Sprache nicht mächtig war oder den Inhalt deren Aussagen nicht, weil mir der kulturelle Hintergrund fehlte. Ich habe dennoch sehr viele freundliche und fröhliche Begegnungen mit Menschen anderer als meiner Herkunft gemacht – und mit Sicherheit nicht weniger gute als mit deutschen Zeitgenossen. Ich bin von einem deutschen Mann sexuell missbraucht worden, von einem deutschen Mann betrogen, von einer deutschen Freundin schlecht gemacht, von deutschen Männern, sogar von höheren Angestellten eines Weltkonzerns, sehr übel angemacht worden…

In dem Haus, in dem ich wohne, leben Menschen verschiedenster Herkunft und verschiedenster Glaubensrichtungen. Es sind sehr freundliche liebe Menschen darunter aber auch Menschen, die man nur kurz grüßt.

Ich laufe meist mit sehr offenen Augen durch das Leben. In Braunschweig gibt es eine knappe Handvoll Frauen, die in einer Burka völlig verschleiert herum laufen. Dieses Bild beklemmt mich immer sehr. Ich kann eben nicht sehen, wer sich dahinter verbirgt, kann mir nur ausmalen, dass die Frauen unterdrückt werden oder sich aus eigener Furcht lieber verschleiern. Dennoch mag ich diesen Anblick nicht. Ähnlich geht es mir aber, wenn ich einen Motorradfahrer sehe, der mit seinem verdunkelten Helm und in schwarzer Kluft vor mir steht. Ich kann nicht sehen, ob er mir vielleicht freundlich gesinnt ist oder er böses im Schilde führt.

Wir leben in einem Land, in welchem Religionsfreiheit herrscht. Ich nehme mir die Freiheit heraus, keiner Glaubensrichtung anzugehören. Statt dessen sehe ich mich als Humanistin. Mir sind Teile mancher Glaubensrichtungen sehr sympathisch, andere sehr unsympathisch. Ich bin in einem christlich-geprägten Land aufgewachsen, habe Religionsunterricht gehabt, bin konfirmiert worden, habe sogar einmal Theologie studieren wollen. Ich war als junges Mädchen mit Missbrauchserfahrung und mit einer Mutter, die immer mal wieder ihrem Leben ein Ende setzen wollte und mich dann als seelischen Mülleimer benutzt hat, auf der Suche nach Geborgenheit, nach Antworten, nach einem sicheren Platz in diesem Leben.

Ich habe allerdings erkannt, dass der Glauben es für mich nicht war. Auch kein Trost. Diese Höhlen voller Geborgenheit musste ich mir selber schaffen.

Als Kind der frühen 1960-er Jahre habe ich den kalten Krieg (mit dem bösen Osten) gespürt, bin mit Vorbehalten gegen den Ostblock groß geworden. Heute ist Deutschland wiedervereinigt und diverse Länder des früheren Ostblocks sind EU-Mitglieder, also Freunde. Genauso habe ich die Vorbehalte damals gegen die Gastarbeiter mitbekommen. Italiener waren Messerstecher, Türken Kümmeltürken. Und heute? Ich hatte einen Klassenkameraden, türkischer Nationalität, der Arzt geworden ist, eine Italienerin als tolle Freundin, habe eine wirklich liebenswerte Nachbarin aus Polen…

Und verdammt noch mal: ich habe etwas gegen Rassisten jedweder Herkunft! Liebe Menschen guckt Euch doch einmal um: Ihr fahrt in ferne Länder in den Urlaub, geht in Restaurants, die sich Speisen verschiedener Länder auf die Karte schreiben, kauft Lebens- und Genussmittel aus fernen Ländern – und genießt diese Freiheit. Dabei betretet ihr Länder, deren Bevölkerung zu einer Mehrheit muslimischen Glaubens ist, esst und trinkt Dinge, die Menschen muslimischen Glaubens geerntet oder hergestellt haben. Nur dann, wenn in Dresden 2 Prozent der Bürger muslimischer Herkunft sind, dann bekommt Ihr ein Überfremdungsproblem? Wenn 15.000 Menschen mitmarschieren, die sich den Medien verweigern, dann wird das plötzlich zur Massenbewegung, die man ernst nehmen muss? Hallo? Als 100.000 und mehr Bürger gegen Atomkraft, gegen Pershings, gegen den kalten Krieg auf die Straße gegangen sind, wollte Helmut Kohl auf den Pöbel des Volkes nicht hören und hat diese Massenbewegung ignoriert.

Die Medien neigen in den vergangenen Jahren ohnehin dazu, alles zu hypen – und im Moment auch Pegida und Konsorten. Politiker wollen diese Bewegung ernst nehmen. Entweder weil sie selbst rassistisch sind oder eben, weil sie populistisch sind. Für diese Politiker schäme ich mich! Genauso für die Medienvertreter und -konzerne, die Pegida groß machen (die haben auch schon die AfD groß gemacht).

Liebe Mitmenschen: Viele von Euch feiern in den nächsten Tagen Weihnachten. Ein Fest der Nächstenliebe! Wenn Ihr an Jesus glaubt, dann denkt mal darüber nach, was er Euch mit eigenem Beispiel lehren wollte!

Ich will endlich keine Schuld mehr spüren – Teil 3

Schlimm waren die Missbräuche in vielerlei Hinsicht. Zum einen verschlimmerten sie das Klima zwischen mir und meiner Mutter, das seit ich denken kann, ohnehin angespannt gewesen war. Von nun an gab es aber keinen Weg mehr zu ihr. Auch weil ich mitbekommen hatte, dass sie in meinem Tagebuch gelesen hatte. Sie muss also gewusst haben, was mir passiert war! Aber sie hat nie mit mir darüber gesprochen. Mein Bruder erzählte mir damals davon, dass sie wutentbrannt aus meinem Zimmer gekommen sei und mich Schlampe genannt hätte. Und tatsächlich hatte jemand mein Tagebuch geöffnet gehabt.

Nicht weniger schlimm war, dass ich nicht mehr das Tempo bestimmen konnte, mit dem ich mich an Zärtlichkeiten und Sexualität heranwagen konnte. Statt dessen hatte ich quasi verinnerlicht, dass es eben so ist: Wenn sich ein Mann für mich interessiert, dann gehört das eben dazu… Freunde in meinem Alter habe ich mit meinem Verhalten irritiert. Sie konnten damit nichts anfangen. Aber ich wusste es doch nicht besser. Und nein: Ich war nie eine Schlampe. Ganz im Gegenteil! Ich habe mir nie Glück und Erfolg gegönnt, habe mich immer wieder zurück genommen. Ich fühlte mich einfach immer schuldig. Ich hatte kein Glück verdient, sehnte mich zugleich aber unglaublich stark danach. So passierte es immer wieder – leider bis in die heutige Zeit hinein –, dass ich glückliche Situationen zerstörte, dass ich mich dafür bestrafte, dass ich glücklich gewesen war. Ich habe mir nicht körperlich weh getan, aber meiner Seele, meiner Psyche, immer und immer wieder.

Als meine Eltern sich trennten, war ich 15 Jahre alt. Doch schon vorher war es oft kaum auszuhalten bei uns daheim. Als letztes gemeinsames Eheprojekt hatten meine Eltern ihr Haus gebaut, neue Möbel gekauft und eben unter anderem diesen besagten, für mich so fatalen, Urlaub gemacht. Die Ehe hat sich nicht retten lassen. Mein Vater war quasi permanent abwesend. Immerhin habe ich dadurch telefonieren gelernt. Das Telefon klingelte häufiger, weil mein Vater politisch aktiv war und viele Menschen etwas von ihm wollten. Ich konnte mich damals perfekt am Telefon melden, Wünsche entegegennehmen und meinen Vater entschuldigen. Meist kam er erst mitten in der Nacht nach Hause. Meine Mutter drehte damals häufig am Rad. Eines Tages kam ich nach Hause und sie ging mit mir in mein Zimmer. Dort verlangte sie von mir, dass ich mich entscheiden solle, ob ich zu ihr oder zu meinem Vater wolle. Ich muss sehr rumgestammelt haben. Dann hatte ich mir unseren Hund geschnappt und bin von zu Hause fort gelaufen. Viel Glück hatte ich, dass ich damals eine tolle Klassenlehrerin hatte. Sie nahm sich meiner an. Ich durfte bei ihr und ihrem Mann übernachten. Und sie übernahm das erste Gespräch am nächsten Tag. Doch gut wurde es für lange, lange Zeit nicht mehr.

Vorher gab es „nur“ extreme Streitigkeiten. Da ist schon mal Geschirr durch die Wohnung geflogen. Doch danach begann eine ganze Serie an Selbstmordversuchen, die meine Mutter unternahm. Als ich sie das erste Mal fand, war es nur ein Zufall. So habe ich es jedenfalls bis heute in Erinnerung. Meine Geschwister waren schon nicht mehr im Haus. Ich war zum Skilaufen verabredet. Der Mann meiner Klassenlehrerin sollte mich an diesem Tag abholen. Deswegen ging ich später aus dem Haus. Im Flur stolperte ich über die Handtasche meiner Mutter. Die hätte dort nicht stehen dürfen, schließlich war ein ganz normaler Arbeitstag gewesen. Ich dachte damals, sie hätte verschlafen und ging unbedarft ins Schlafzimmer, um meine Mutter zu wecken. Doch als ich das Schlafzimmer betrat, lagen neben dem Bett eine Menge leerer Tablettenschachteln und meine Mutter war nicht ansprechbar. Ich lief zum Telefon und wählte den Notruf. Ich habe auch versucht, meinen Vater zu erreichen. Schließlich kam ein Krankenwagen, und meine Mutter wurde ins Krankenhaus gebracht. Irgendwann fand sich auch mein Vater ein, um sich zu kümmern. Er wohnte zu dieser Zeit nicht mehr bei uns. Nachdem ihr der Magen ausgepumpt worden war, kam meine Mutter für kurze drei Wochen in ein psychiatrisches Krankenhaus in Königslutter. Bei uns Jugendlichen verband jeder mit dem Namen Königslutter nur Klappsmühle. Was sich wirklich dahinter verbarg, wussten wir alle eher nicht. Nun: meine Mutter befand sich also dort. Und ich übernahm für diese kurze Zeit neben der Schule mehr oder weniger den Haushalt. Mein Vater hätte sogar Wasser anbrennen lassen, kochen konnte er überhaupt nicht.

Leider hatten die drei Wochen Königslutter bei meiner Mutter keinen nachhaltigen Erfolg. Als sie wieder Zuhause war, fing zwar zunächst eine gewisse Routine wieder an, doch ich traute dem Frieden nicht. Und wie sich alsbald herausstellte, lag ich genau richtig. Dieses Mal fand ich Tablettenschachteln im Badezimmer und meine Mutter war noch bei Bewusstsein. Dennoch rief ich den Krankenwagen – ich wusste ja, wie das alles funktioniert, dachte ich. Die Sanitäter kamen, meine Mutter wollte nicht mit. Und nun erlebte ich den nächsten Schritt. Die Sanitäter wollten fahren und ich war total verzweifelt. Ich meine, dass damals mein Bruder zu Hause gewesen war und ich wollte damals ihn als Unterstützung holen. Doch er antwortete mir im Halbschlaf: „Wenn die Alte sich umbringen will, dann lass sie doch.“ So erinnere ich diese Situation jedenfalls. Ich rannte wieder zu den Sanitätern, die mir schließlich sagten, dass ich die Polizei rufen könne und sie solange warten würden. Also rief ich noch die Polizei dazu.

Ich habe von da an viele Nächte vor der Schlafzimmertür meiner Mutter gewacht. Hatte mir eine Kanne Tee gekocht, um nicht einzuschlafen. Dennoch war sie das eine oder andere Mal an mir vorbei gehuscht. Einmal musste ich sie aus der Garage ziehen, wo sie in ihrem Golf mit laufendem Motor gesessen hat, ein anderes Mal wollte sie sich von der Autobahnbrücke stürzen und ich hinderte sie am Ende doch noch daran. Es waren sehr, sehr harte Zeiten für mich damals. Klar ging ich auch weiter zur Schule. Ich kam dann ja sogar in die Oberstufe. Nur meine familiäre Situation war unerträglich geworden. Schule war geradezu Erholung, wengleich ich in dieser Zeit immer auch Angst hatte, meine Mutter könnte sich in dieser Zeit etwas antun.

Meinen Bruder hatte ich zu dieser Zeit abgehakt. Wir hatten eh nie ein wirklich tolles Verhältnis gehabt. Ich hatte ihn gemocht und fand ihn toll, er aber fand mich wohl immer schon eher lästig. Eine kleine Schwester, auf die er aufpassen musste, aber kein Spielkamerad. Unsere kleine Schwester, fünf Jahre jünger als ich, sieben als mein Bruder, fand er schon wieder niedlich. Zu ihr hatte er einen besseren Draht gehabt – und sie zu ihm. In dieser Zeit war ich aber auch viel für meine kleine Schwester da. Ich versuchte, sie von allem fernzuhalten. Obwohl ihr Zimmer doch direkt an das meiner Mutter angrenzte. Wenn es nachts gewitterte, holte ich sie in mein Bett, sie konnte dann immer nicht schlafen. Aber meine Mutter war damals kein guter Zufluchtsort.

Erholung kam, als meine Mutter für ein Dreivierteljahr in eine Klinik kam. Mein Vater zog für diese Zeit wieder bei uns ein. Kochen konnte er immer noch nicht. Aber es war ein Erwachsener da, der sich ein wenig um dies und das kümmerte. Am Haushalt versuchte er sich, scheiterte aber oft schon am Waschen, also am Wäsche sortieren. Dennoch war diese Zeit für mich eine gute. Wir besuchten meine Mutter regelmäßig und es ging ihr dann auch irgendwann spürbar besser.

Ich will endlich keine Schuld mehr spüren – Teil 2

Ich weiß nicht mehr genau – es ist ja auch Jahrzehnte her – was den Arbeitskollege meines Vaters beruflich nach Hause beordert hatte, jedenfalls hatte er auffallend viel Zeit, nachdem wir wieder daheim gewesen waren. Gleich am nächsten Tag holte er mich unter einem Vorwand zu sich ab. Den Vorwand benötigte er ja auch nur, weil mein älterer Bruder eine Erklärung haben wollte.

Als wir bei dem Mann Zuhause waren, war er immerhin so klug, mich nicht mit ins eheliche Schlafzimmer zu nehmen. Aber er holte allerlei Dinge zusammen, um auf dem Boden im Wohnzimmer ein bequemes Lager zu errichten. Fast hätte man sagen können, es war romantisch, wäre er in meinem Alter oder maximal ein, zwei Jahre älter gewesen. Aber er war Mitte 30, Familienvater, Freund meines Vaters, bei Volkswagen gut auf Karrierekurs. Was dort passierte: er gab mir Anweisungen, was ich tun sollte. Dazu gehörte, dass ich meine Beine über Kreuz und zusammenpressen sollte. Ich mag das folgende hier nicht weiter beschreiben. Danach fühlte ich mich noch schuldiger, dachte aber zugleich, dass ich jetzt mit diesem Mann zusammen sei – und ergab mich in dieses Schicksal. Was hätte ich auch tun können? Meine Eltern, die sich eh nicht für mich interessierten, fast tausend Kilometer von mir entfernt. Und wem soll man so etwas erzählen? Und was überhaupt? Ich war ohnehin eher ein schüchternes Kind, habe mich immer klein gemacht und versteckt, wenn es schwierig wurde. In diesen Momenten gab es einfach nichts und niemanden für mich außer dass ich mich ergab.

Da meine Eltern ja nun einmal mit dem Arbeitskollegen und der gesamten Familie befreundet waren, traf ich immer wieder auf diesen Mann. Ich konnte mich vorher noch so schlecht benehmen, meine Mutter kannte kein Pardon, ich musste mit zu Besuch. Und wenn wir bei ihnen waren, nutzte der Mann quasi jede Gelegenheit, um mich entweder anzufassen, sich anfassen zu lassen oder mich einzuschüchtern. Ob er mich bat, ihm dabei zu helfen, Getränke aus dem Keller zu holen, ich mit in den Garten, in die Küche oder das Arbeitszimmer sollte, ich glaubte zumindest, dass ich keine Chance hätte. Etwa ein Jahr verging, bis ich all meinen Mut zusammennahm. Wir waren gemeinsam Pilze sammeln gegangen und natürlich ging er mit mir Pilze suchen, nicht mit seiner Frau, nicht mit seinen Kindern. Ich sagte ihm damals, er solle mich jetzt in Ruhe lassen, ich wolle mich voll und ganz auf die Schule konzentrieren.

Mir fiel damals ein Stein vom Herzen, als ich das endlich rausgebracht hatte. Und ich hielt es auch durch. Ich hörte nicht mehr auf ihn. Und damals dachte ich, ich hätte das nun alles hinter mir. Weit gefehlt. Dieses einschneidende Erlebnis hat mich mein Leben lang begleitet, so sehr ich es auch vergessen wollte und verdrängt habe.

Leider dauerte es auch nicht allzu lange, da passierte es mir ein zweites Mal, dass sich jemand an mir vergriff. Auch wieder ein Mann, dem ich zu vertrauen begann, der sich für mich und mein Schicksal interessiert hatte. Ein Lehrer an meiner Schule… Dieses Mal war ich aber älter. Und dieses Mal habe ich mich schneller aus der Situation lösen können. Obwohl es mir wehtat, weil dieser Lehrer eine sehr wichtige Vertrauensperson für mich gewesen war…

Warum ich vielen bei Twitter und Google+ nicht folge…

Sind Sie auch bei Twitter und oder Google+ zu finden? Wenn ja, wie sieht Ihr Profil aus? Haben Sie (ihr) ein Foto im Profil, verraten Sie etwas über sich oder bevorzugen Sie die eher annonyme Variante?

Gerade heute morgen bekam ich wieder Nachrichten, wer mir jetzt folgt. Natürlich bin ich neugierig, wer das ist, ob ich demjenigen vielleicht ebenfalls folge. Doch ein Klick ins Profil und gähnende Leere, kein Foto, kein Hintergrundfoto, keine Informationen über denjenigen. Warum also sollte ich mich berufen fühlen, einem solchen Follower ebenfalls zu folgen? Ich weiß doch nichts über ihn. Und auch wenn ich Freundschaften ganz sicher nicht danach beurteile, ob sie sich für mich lohnt oder nicht, bei „Freunden“, also Followern, also Menschen, die ich bisher weder im richtigen Leben noch in der virtuellen Welt irgendwie kennengelernt habe, brauche ich schon einen kleinen Einblick, wer sich hinter dem Profil verbergen könnte.

Verstehen Sie mich nicht falsch: ich bin nicht der Meinung, dass jeder auf einer Social Media-Plattform alles offen legen sollte. Ganz im Gegenteil: behalten Sie doch bitte ganz viele und vor allem persönliche Informationen für sich! Überlegen Sie sich gut, was Sie öffentlich machen. Aber: geben Sie mir dennoch einen oder mehrere Hinweise, was Sie aussmacht, wer Sie sind. Eine kleine Gratwanderung, sicher, aber dennoch machbar! Und für mich eben der wichtige Hinweispunkt, ob ich Ihnen folgen will oder nicht.

Übrigens grundsätzlich gilt das auch bei Facebook für mich. Doch Facebook ist für mich spezieller. Dort „befreundet“ man sich mit natürlichen Menschen auf Gegenseitigkeit. Da ich kein Freundesammler bin, bevorzuge ich Freundschaften zu Menschen, die ich aus dem Real-Live kenne. Es gibt für mich nur sehr wenige Ausnahmen davon – und die haben ihren Grund.

Social washing nicht mit mir – oder warum ich bei New Yorker nicht mehr einkaufe

social_washingWie viel ist ein Menschenleben wert? 1 Dollar? 5 Dollar? 1.000 Dollar? Oder gar 100.000 Dollar? Mehr? 1 Million Dollar? Oder ist es gar unbezahlbar?

Es kommt für Sie sicherlich darauf an. Würden Sie Ihr Kind für 1 Million Dollar verkaufen oder töten lassen? Sicherlich nicht. Sind Sie aber ein Versicherungskonzern, so wollen Sie gewiss den Wert eines Lebens möglichst gering ansetzen. Es gibt auch Bereiche oder Situationen, in denen das eine Menschenleben mehr zu zählen scheint als das andere. Es scheint so, dass 1.000 Flüchtlinge, die vor Lampedusa gekentert und deswegen qualvoll gestorben sind, weniger wert sind als das eine kleine Mädchen aus Deutschland, welches einem Verbrechen Opfer gefallen ist. Manchmal scheint der ältere Mensch weniger wert als das Neugeborene. Immerhin hat der alte Mensch ja sein Leben quasi schon gelebt, auch wenn er vielleicht noch 20 Jahre aktives Leben vor sich hat.

Von Menschen, die beispielsweise stark betrunken verunfallen und so zu Tode kommen, sagt manch einer: „Hat ja selbst Schuld gehabt.“ So eben auch vielleicht die Flüchtlinge vor Lampedusa – schließlich hätten sie sich ja nicht in so ein Boot setzen müssen, zumal sie ja ohnehin reine Wirtschaftsflüchtlinge zu sein scheinen. Sie suchen ihr Heil schließlich bei uns im reichen Westen.

Lassen wir einmal dahin gestellt, warum der Westen wirtschaftlich so gut da steht. Diese Flüchtlinge haben oft genug die Wahl zwischen Pest und Colera, wobei eine der beiden Krankheiten für sie größere Heilungschancen verspricht. Nämlich die Reise in einem kleinen Boot über das Mittelmeer, denn im reichen Westen finden sie vielleicht Arbeit als Tagelöhner und können sich so endlich genügend zu essen kaufen, vielleicht sogar Geld sparen und ihren Familien schicken. Im eigenen Land geblieben, wären sie aller Voraussicht nach einer Krankheit oder dem Hungertod zum Opfer gefallen, zumindest jedoch haben sie für sich nur noch solch eine Perspektive gesehen. – Und in Berlin streitet man sich derweil darum, ob sich zu den Ampelmännchen auch -weibchen gesellen müssen. Diese Probleme würde manch ein Mensch, der außerhalb des wohlhabenden Europas lebt, wohl gerne haben.

Denken wir einmal darüber nach, wieso Europa so wohlhabend ist: Da fallen uns sicher viele Gründe ein. Beispielsweise weil – insbesondere in Deutschland – die Menschen so fleißig sind und so viel arbeiten. Wir sind ein produktives Volk. Und das stimmt sogar. Allerdings könnten wir kaum so produktiv sein, kämen uns da nicht verschiedene Umstände zu Hilfe. Zum einen das gemäßigte Klima, welches uns relativ verlässlich Ernten guten Ertrages beschert. Wir leiden selten unter extremer Hitze, die unsere Produktivität beeinträchtigt. Auch der Monsum (oder der ausbleibende) setzen uns nicht zu. Selbst Naturkatastrophen gehen bei uns meist glimpflich aus – auch wenn wir recht dicht hintereinander die so genannten Jahrhunderthochwasser hatten. Zudem haben wir hochmoderne Fabriken, klimatisierte Büros, eine hervorragende Infrastruktur mit Straßen, Bahntrassen, Wasserwegen und mehr.

Das alles haben wir uns über Jahrzehnte bzw. Jahrhunderte aufgebaut – und unseren Wachstum auch dem ärmeren Ausland zu verdanken. Ich erinnere an den Kolonialismus sowie an den Imperialismus. Ohne die Rohstoffe beispielsweise aus Afrika, die wir nicht immer mit fairen Mitteln bezogen haben, hätte Europa sich kaum einen solchen solchen Reichtum aufbauen können. Wir geben generös einen Teil des verdienten Geldes per Entwicklungshilfe zurück – und machen die armen Länder nicht zuletzt damit weiter abhängig von uns.

Selbst die extreme Lust auf Fleisch in unseren Ländern trägt dazu bei, dass die Wirtschaft in den Entwicklungsländern sich weiter nicht gut entwickelt. Warum? Weil wir das Fleisch, welches wir nicht verzehren, exportieren und auf dem afrikanischen Markt günstig anbieten – günstiger als ein Bauer es dort produzieren kann. Nicht besser sieht es mit den Kleidungsstücken aus, die wir – kaum eine Saison getragen – guten Gewissens in den Kleidercontainer werfen. Wer glaubt denn nicht zunächst, dass er mit seiner Kleiderspende armen Menschen unter die Arme greift? Wer käme denn auf die Idee, dass die Kleidung, die im Container des DRK, der Caritas oder eines anderen Wohlfahrtsverbandes genau das Gegenteil verursacht?

Kleidung ist ja eigentlich auch mein Stichwort. Kleidung, die in beispielsweise in Bangladesh in Fabriken hergestellt wird, in denen es keine Standards gibt, wie wir sie kennen. Kinder und Frauen arbeiten in winzigen Räumen bei extremer Hitze. Maschinen, die bei uns gar nicht in Betrieb genommen dürften, bieten keinen Schutz vor Arbeitsunfällen. Leider erfahren wir viel zu selten, was dort tagtäglich passiert. Nur die großen Unfälle schaffen es auch bei uns in die Medien. Nun gibt es Unternehmen, die sich verpflichtet haben, bessere Standards für ihre Fabriken einzuführen und diese auch zu überwachen. Das Braunschweiger Unternehmen New Yorker mit all seinen Marken gehört nicht dazu. Statt dessen betreibt der geschäftsführende Gesellschafter Friedrich Knapp gerade eine neue Strategie, die ich kurz und knapp „Social Washing“ nenne: nachdem das beliebte Braunschweiger Hallenbad in Gliesmarode dem drei-Bäder-Konzept bzw. dem neuen Bad „Wasserwelten“ zum Opfer gefallen ist, fühlt sich Knapp berufen, dieses Bad für die Braunschweiger Bürger zu erhalten. Auch das Sponsoring der Braunschweiger Basketballspieler fällt dem Bad übrigens zum Opfer.

Für mich ist das Grund genug, dieses Social Washing nicht zu unterstützen! Und deswegen kann ich nicht mehr bei New Yorker und all den dazugehörigen Firmen einkaufen. Einen Mangel erleide ich desegen übrigens nicht. T-Shirts, Jeans und Co gibt es auch in anderen Geschäften und mitunter sogar FAIRTRADE.🙂

Vegane Ernährung: Was sich für mich geändert hat

Cross gebratener TofuNoch sind es nicht ganz zwei Jahre, seitdem ich mich vegan ernähre. Der Umstieg damals fiel mir dank der Vegan-for-fit-Challenge wirklich leicht. Da sämtliche Gerichte, also Frühstück, Mittag, Abendessen und sogar Kuchen als Rezept im Buch zu finden sind – und dort quasi keine Ersatzprodukte verwendet werden –, geriet ich nicht einmal in Versuchung. Schade nur, dass Attila Hildmann, Autor des Buches, in der Zwischenzeit so abgehoben ist und auch schade, dass einige Rezepte eher grenzwertig im Geschmacksergebnis waren. Zudem nutzt der Autor extrem viel Mandelmus, welches nicht gerade niedrigpreisig ist. Das Mandelmus kann man sich allerdings auch selbst zubereiten, wenn man nur genügend Zeit und Geduld hat.

Gleichwohl, nach den 30 Tagen Challenge war ich froh, mich anders ernähren zu können. Natürlich habe ich zunächst viele, viele Ersatzprodukte ausprobiert: Seitan, texturiertes Soja, Lupine als Fleischersatz, fertige vegane Würstchen, Käse-Ersatz, Frischkäse-Ersatz, Aufschnitt-Ersatz, Brotaufstriche und dergleichen mehr. Manches schmeckte, anderes wiederum nicht. Während viele Veganer völlig aus dem Häuschen sind, wenn sie MockDock und Co. essen, verzichte ich auf diese Dinge völlig. Einzig und alleine ist bei mir Tofu (auch selbst hergestellter), Tofu-Würstchen (von einem bestimmten Hersteller) sowie texturiertes Soja übrig geblieben – und auch diese Fleischersatzprodukte esse ich sehr selten. Dazu noch ab und an ein veganer Käseersatz, falls ich mal Brötchen oder Brot esse.

Wenn ich also kein oder kaum Brot esse, was esse ich dann? Zum Frühstück meist gekochte Hirse. Mittlerweile koche ich sie in Cashewmilch, die ich mir direkt vor dem Frühstück herstelle, dazu gemustest Obst, welches sich gerade anbietet. Also beispielsweise 1-2 Äpfel, 1 Banane und ein paar Erdbeeren. Oder Birne, Banane und Melone. Ich süße dabei weder die Hirse noch das Obst, weil ich reife Früchte nehme. Diese sind süß genug, finde ich. Wenn es keine gekochte Hirse ist, dann esse ich gerne mal ein Müsli mit frischem Obst, auch hier wieder gerne gemust, weil ich dann einfach mehr davon essen kann, dafür gibt es weniger Hirse oder Flocken.

Mittags koche ich mir meist eine Kleinigkeit. Sehr gerne frisches Gemüse, manchmal mit Beilage, manchmal vor allem das Gemüse. Als Beilage mag ich Kartoffeln, Quinoa, Hirse, Bulgur, Reis oder Dinkelnudeln. Sehr gut schmeckt mir auch gebratener Tofu, den ich je nach Bedarf würze. Und abends gibt es gerade jetzt im Frühjahr ganz viel Salat. Eine große Schüssel voll. Ein Favorit zurzeit bei mir: Rukolasalat mit Birne, Erdbeeren und Walnüssen mit einem Dressing aus Balsamico-Essig, Walnussöl, Kräutern, Salz und Pfeffer und etwas Süße (kleiner Schuss Reissirup, eine halbe Dattel oder so).

Mein Drang, Süßigkeiten essen zu wollen, hat sich extrem reduziert. Allerdings mag auch ich gerne mal ein Eis (am liebsten auf Lupinenbasis) oder Kuchen. Vegane Kuchen und Torten sind übrigens überhaupt kein Problem. Wer sich zum Beginn etwas schwertut, kann auf Ei-Ersatzpulver zurückgreifen. Doch geht es auch anders. Etwas Sojamehl, Sojamilch, Apfelessig, Natron, Banane, geriebener Apfel (oder Apfelmus) seine als Beispiele genannt. Es kommt halt auf den Kuchen an. Auch wenn ich es mir früher nicht vorstellen konnte: auch roh-vegane Kuchen und Torten schmecken hervorragend. Die Böden bestehen aus Nüssen und Datteln und/oder Feigen, vielleicht noch etwas Kokosfett als Basis. Die Creme basiert häufig auf Cashew-Sahne mitunter zusammen mit Avocado. Für Otto-Normalverbraucher hört sich das zunächst sehr gewöhnungsbedürftig an. Doch in der Kombination und mit etwas Durchkühlen schmecken diese Torten und Cupcakes wirklich sehr lecker.

Was mir aber besonders gut gefällt: ich habe es geschafft, morgens mit sehr viel Essen zu starten, ich bin anschließend so satt, dass ich keine Zwischenmahlzeit vermisse. Mittags freue ich mich dann auf mein Essen und abends reicht dann wirklich der Salat ganz ohne Brot.

Am Wochenende gibt es immer mal wieder leckere Pizza. Die wird entweder mit Hefeschmelz (Mehl, Wasser, Senf, Paprika, Salz, Fett und Hefeflocken) überbacken oder ohne (quais türkische Art) und anschließend mit einem frischen Salat sowie Sojajoghurt, den ich mit Zitronen- oder Limettensaft, Minze, weiteren Kräutern, Salz und Pfeffer und etwas Knoblauch gewürzt habe, gegessen.

Auch unterwegs ist es meist kein Problem mit der Ernährung. Hier und dort gibt es vegane Restaurants oder Imbisse, die auch vegane Speisen anbieten. Der Italiener lässt auf der Pizza eben den Käse weg und einen Salat finde ich auch immer. Viele Bäcker haben auch veganes Gebäck im Angebot.

Vitamine sowie, Eisen, Calzium, Folsäure, Spurenelemente und auch Eiweiß nehme ich genügend zu mir. Vorsorglich nehme ich jedoch ein Vitamin-B12-Präparat ein, damit ich dort auf der sicheren Seite bin. Mir geht es rundherum gut und ich freue mich immer wieder darüber, dass mein Essen mir so gut schmeckt. Somit werde ich wohl kaum jemals wieder in die so genannte normale Ernährung zurückfallen. Wozu auch? Fleisch habe ich eh nie so gerne gegessen. Wurst mochte ich nicht. Einzig Käse habe ich immer gerne gegessen. Doch nicht einmal der fehlt mir. Auch nicht dann, wenn mein Gegenüber welchen isst.

Warum der Stadtputz (leider) sehr notwendig ist

Müll in einer Grünanlage HeidbergAm kommenden Wochenende sind die Braunschweiger gefragt. Sie sollen ihre Stadt putzen. Und leider ist das mehr als notwendig. Zwar gibt es seit Jahresanfang stadtweit die gelben Tonnen – und deswegen fliegt weniger Plastikmüll in der Nähe der Container herum – doch ist die Stadt schmutziger denn je. Je nachdem, wer für eine Grünanlage zuständig ist, wird mal gar nichts, mal zwei Mal im Jahr, mal häufiger diese Anlage gepflegt. Ein besonders krasses Beispiel ist das Grün rund um den Parkplatz am Sportbad Heidberg. Dort sieht es seit langer Zeit besonders schlimm aus. Auch jetzt noch, wo die Sträucher langsam wieder ihre Blätter bekommen.

An einer Ecke scheint ein Raucher seit Monaten ständig seine leeren Zigarettenschachteln zu hinterlassen, denn es ist stets die gleiche Marke. Natürlich sind auch Zigarettenkippen dort zu finden. Keine drei Meter davon lag eine kaputte Flasche mit den gefährlichen Bruchstellen nach oben im Beet. Auch sonst dauert es – zumindest im Stadtteil Heidberg – mindestens viele Wochen – bis Glasscherben, Plastikmüll oder anderer Müll entsorgt wird.

Zigarettenschachteln HeidbergIch habe jetzt ein wenig Hoffnung, dass es nach diesem Wochenende wieder etwas netter aussieht. Aber: Wahrscheinlich wird es nicht lange dauern und es sieht wieder ähnlich wie vorher aus. Denn am Wochenende putzen ja nicht diejenigen, die ihren Müll sonst arglos in die Landschaft werfen.

Warum man die Telekom hassen darf

Nein, ich bin sonst kein Mensch, der alles immer schlecht redet. Und wenn ich mich doch mal negativ äußere, dann muss schon so einiges vorgefallen sein. Mit der Telekom ist nun wirklich schon mehr als viel vorgefallen. Aktuell ärgert mich vor allem die Verlogenheit. Versprechen tun sie viel, die Mitarbeiter der Telekom, nur halten tun sie es nicht. Schuld sind nie sie selbst sondern immer nur andere!

Doch gehen wir chronologisch ein wenig zurück. Privat habe ich mich längst von der Telekom verabschiedet, nachdem ich von ihnen immer wieder im Stich gelassen wurde. Mal konnten sie doch nichts dafür, dass bei Regen die Leitungen absöffen, ich dann kein Telefon und dadurch natürlich auch kein Internet hatte. Ein anderes Mal konnten sie nichts dafür, dass sie mir keinen Splitter geschickt haben oder sie behaupteten, mein Anschluss liefe, doch mein Telefon blieb tot, was sie dann nach einem vergeblichen Anruf bei mir auch am Ende glaubten. So habe ich der Telekom gerne den Rücken gekehrt und bin bei meinem aktuellen Telefon- und Internetanbieter recht zufrieden.

Doch mit der Firma sind wir immer noch bei der Telekom. Wir benötigen die ISDN-Leitung für unsere Alarmanlage. Und wir hofften, mit einem Geschäftsanschluss würden wir nicht so veralbert werden. Doch die vergangenen drei Jahre haben anderes gezeigt. Anfangs hatten wir hier die 3000-er Rate. Für reinen E-Mail-Verkehr war das tragbar, für das Arbeiten im Internet mit Mitarbeitern schon sehr langsam. An manchen Tagen war es allerdings so langsam, dass sich Seiten gar nicht mehr aufbauten. Seit wir mehr im Internet arbeiten, benötigen wir auch einen schnelleren Zugang vor allem auch im Upload. Lange hieß es, dass es hier nicht möglich sei. Doch oh Wunder, im vergangenen Herbst machte man uns Hoffnungen. 16000 kbit sollten auf einmal möglich sein. Skeptisch waren wir ja anfangs. Leider auch zu Recht. Kaum war die schnellere Datenrate geschaltet, schon kamen wir gar nicht mehr ins Internet. Schließlich wurden wir auf 6000 kbit runtergesetzt. Bei der Geschwindigkeit konnte DSL endlich synchronisiert werden. Nur im Upload waren es knapp 640 kbit, also für eine echte Arbeit im Internet völlig ungeeignet. Behauptet wurde von Seiten der Telekom, dass unsere Störungsmeldung zu unserer Zufriedenheit gelöst worden sei. Was für eine unverschämte Lüge! Ein langes Procedere begann. 16.ooo kbit kamen wir nicht näher. Auch im Upload blieben wir gedrosselt.

Übrigens behauptete damals ein Mitarbeiter an der Hotline, dass die Telekom nur 10 Prozent der Leistung erbringen müsse und der Vertrag damit immer noch als erfüllt gelte. Das ist so, wie wenn Sie 60 Liter Benzin tanken wollen, sie Ihnen zugesagt werden und Sie sie auch bezahlen, dann aber nur 6 Liter in den Tank gefüllt bekommen. Oder Sie kaufen eine Wochenendtüte mit 10 Brötchen, darin befindet sich aber nur eines. Natürlich ist das Nonsens. Aber es ärgert einen schon sehr, wenn man sich solche Sprüche anhören muss.

Kurz und gut, am Ende wurde unser Vertrag rückabgewickelt und wir wollten uns einen anderen Anbieter suchen. Doch auch dieses war schier unmöglich. Wir leben hier in der Großstadt Braunschweig, sollte ich dazu anmerken. Kabel Deutschland wollte uns gerne als Kunden. Dort hätten wir eine 100.000-er Rate bekommen können, wenn, ja wenn wir auch Fernsehen wollten. Ohne Fernsehanschluss auch kein Kabel-Internet. Ein anderer Telefonanbieter kam, der konnte uns nicht anschließen, weil niemand wusste, wo der Verteiler für unseren Anschluss liegt. Selbstverständlich gab die Telekom ihrem Konkurenten keine Auskunft darüber. Also mussten wir zurück zur Telekom. Dieses Mal sollte alles besser werden. Ein freundlicher Mitarbeiter erläuterte mir, dass wir die 16.000-er Rate mit einem zweiten Anschluss sicher bekämen. Also biss ich in den sauren Apfel und buchte einen zweiten Anschluss. Noch zwei Wochen warten, dann erst konnte ein Techniker kommen. Das war vergangene Woche Donnerstag. Allerdings endete dieser Termin damit, dass der Techniker sich auch wieder schnell empfahl, weil er an den Verteiler nicht herankam. Der Verteiler sitzt in der Kneipe hier auf dem Stadtteil. Er ging und ich erhielt zunächst keine Information, wann wo und wie ein weiterer Termin möglich sei. Schließlich rief man mich doch noch zurück. Am gleichen Tag könne niemand mehr, am Freitag auch nicht. Aber am Montag. Ich verwies den Herren in der Leitung darauf, dass somit wieder drei Tage ohne Internet ins Land strichen. Sein Spruch: Was sind schon drei Tage bei drei Jahren, den Sie Ärger mit uns haben?“

Heiß ersehnt kam am Montag auch der Techniker. Er schloss uns schließlich und endlich sogar an, sprach aber von mehreren kritischen Fehlern in der Leitung. Nicht in der im Gebäude, von der Kneipe zu uns kämen die Signale ungestört an. Nur an der Verteilungsdose kämen die Signale schon nur gestört an. Er hätte sich aber verbinden können, meinte er, bevor er uns verließ. Leider musste ich nun ein neues Kabel organisieren. Als ich dann unser DSL in Betrieb nehmen wollte, durfte ich feststellen, dass sich das DSL nicht synchronisert. Dabei werden auch keine 16000 kbit zu synchronisieren versucht, auch keine 12000 sondern lediglich um die 11000 kbit. Also von vornherein wieder sehr viel weniger als versprochen.

Wieder ein Anruf bei der Telekom. Die Dame versprach, die Störung weiterzugeben und ich würde angerufen werden. Was soll ich sagen? Angerufen hat mich am Montag niemand von der Telekom! Heute morgen funktionierte das Internet für ganz kurze Zeit, bei einer Rate von um die 6000 kbit. Also rief ich wieder bei der Telekom an. Eine halbe Stunde später lief es wieder bei einer Rate von runt 6600 kbit. Heute Nachmittag wieder nichts mehr. Alle Synchroniserungsversuche waren für die Katz. Schon wieder telefonierte ich mit der Telekom. Ein Mitarbeiter meinte, ich solle mich doch mal mit der Störungsstelle in Verbindung setzen. Das tat ich. Aber der erste wollte mich kurz in die Warteschleife legen und brach dabei das Gespräch ab, der zweite fragte mich, was ich von ihm wolle. Er könne mir nicht helfen. Das könne nur die Technik, die mich gerade an ihn verwiesen hatte. Aber er versicherte, er nehme meine Beschwerde ernst. Er könne mir aber LTE oder gar ein Tablet-PC anbieten. – Wer käme sich dabei nicht veralbert vor?

Jedenfalls konnte auch der nächste Techniker mir nicht helfen. Es sei soweit alles vermerkt, ich solle ihnen Zeit geben. Wieviel Zeit denn noch und wofür? Was machen sie denn? Sie machen doch seit drei Jahren nichts. Sie nehmen auch seit drei Jahren unsere Beschwerden nicht ernst. Ich möchte Internet haben, und zwar in einer vertretbaren Rate, so dass ich Videos hochladen kann, dass wir endlich unsere Webinare wieder anbieten können. Dass wir endlich Geld verdienen können! Wir leben doch im Jahr 2014 in einem hochentwickelten Land. Noch dazu befindet sich unser Unternehmen in einer Großstadt. Hier gibt es auch noch andere Gewerbetreibende. Und es wohnen mehrere tausend Menschen hier. Da will sicher noch der eine oder andere eine etwas schnellere Leitung haben. Wir bezahlen ja auch schon dafür. Denn die Rechnung kam schon, bevor der Anschluss überhaupt geschaltet war.

Ich möchte ab sofort keine dummen Ausreden mehr hören. Ich möchte nicht mehr veralbert werden, nicht mehr belogen. Ich will endlich DSL mit einer vernünftigen Geschwindigkeit. Wer wenn nicht die Telekom kann dafür sorgen? Die Telekom hat die Leitungshoheit! Also ist genau sie gefragt!

Was ist bloß mit den Medien los?

Ja, ich finde Kinderpornographie grauenhaft! Und ja, ich bin beruhigt, dass das in unserem Land verboten ist.

Noch einmal ja: ein Bundesminister muss sich an Gesetze halten. Er darf nicht – auch nicht in bester Absicht – Informationen weitergeben, die eine Strafvereitelung nach sich ziehen könnte. Nicht einmal dann, wenn er versucht, einen möglichen größeren Schaden einer sehr schwierigen Regierungsbildung damit zu begrenzen.

Und doch bin ich wieder einmal mindestens erstaunt, was derzeit in den Medien – seien es gedruckte Werke, Online-Medien, Radiosender und wahrscheinlich auch Fernsehsender – los ist. Eine Hetzjagd nach der anderen. Der bis hierhin geneigte Leser hat so langsam die Faxen dicke, denke ich. Mir jedenfalls geht es so. Eine Hetzjagd nach der anderen. Ob es das persönliche Leid eines „Promis“ ist oder eine vermeintliche Untat eines anderen „Promis“. Es wird drauf losgehackt als sei es ein sportlicher Wettkampf.

Doch was hat dieses zur Folge? Sicher nicht, dass der Bürger besser informiert ist. Eher, dass er sich von den wirklichen News, der Hintergrundberichterstattung und dergleichen mehr auch noch abwendet. Wer jeden Morgen und jeden Abend von den gleichen Schlagzeilen nahezu angebrüllt wird, mag irgendwann nicht mehr hinhören, mag nicht mehr hinter die Kulissen schauen. Und wurde dann erreicht? Richtig: Bürger mit ein ganz wenig Halbwahrheiten oder weniger. Die echte Geschichte dahinter verschwindet nahezu im Nirwana. Kaum jemand bringt das Interesse und noch weniger Menschen bringen die Geduld auf, sich objektiv zu informieren, wenn einem die „News“ nur so um die Ohren geschlagen werden.

Was den akutellen Fall um Sebastian Edathy anbetrifft, so ist die Vorverurteilung längst im Gange. Ich habe vor Jahrzehnten als Kind in Rehburg-Loccum gewohnt. Ein beschaulicher Ort mit einem evangelischen Kloster, damals wohl eher etwas verschlafen, doch ein nettes Fleckchen Erde. Dort kennt so ziemlich jeder jeden. Ähnlich wie es in vielen Vororten der größeren Städte ist. Und das bedeutet für Herrn Edathy, dass er sich zurzeit wohl nicht daheim blicken lassen kann. Nach diesen Schlagzeilen muss er sich wohl in ganz Deutschland verstecken. Und das alles, bevor ein Gerichtsverfahren seine Schuld festgestellt hat. Somit ist die so genannte Unschuldsvermutung bei uns längst vom Tisch. Dank der Mediengewalt wird ein prominenter Verdächtiger längst bestraft, bevor er sich verteidigen kann.

Leider hat das alles auch so überhaupt gar nichts mit investigativem Journalismus zu tun. Investigativ ist anders, in seinem Ursprung bedeutet das Wort so viel wie aufspüren, genau untersuchen. Doch genau das unterlassen die meisten Medien derzeit. Genau untersuchen würde nämlich auch bedeuten, auch die Informationen zu ermitteln, die für den „Verdächtigen“ sprechen. Macht das zurzeit irgendjemand? Und wenn ja wie laut?

Auch die Geschichte rund um den ADAC finde ich derzeit abstoßend. Wenn all die Verfehlungen schon zum Teil Jahrzehnte alt sind, warum hat denn vorher niemand etwas darüber berichtet? Die Verflechtungen des Konzern-Vereins sind doch schon länger so. Warum hat da niemand hinter die Kulissen blicken wollen? Wenn Autobatterien zu teuer verkauft wurden, ist das erst heute schlimm?

 

Falsch, nicht ganz Deutschland…

ich nämlich nicht – und wie ich weiß, stehe ich nicht alleine da – bangt um Schumi. Und nein, es findet auch nicht jeder das Medienspektakel, die unbewiesenen Gerüchte um den Unfallhergang und die Unfallfolgen, so wichtig, dass sie an exponierte Stelle in Nachrichtenmagazinen gehören.

Ich habe mich nie sonderlich für Motorsport (für Fußball gilt das ebenfalls) interessiert. Doch natürlich ist auch an mir nicht vorbeigegangen, dass Michael Schumacher mehrfacher Weltmeister in der Formel 1 gewesen ist. Ebenfalls aber ist an mir nicht vorbeigegangen, dass dieser Herr es vorgezogen hat, seine Einnahmen nicht in Deutschland zu versteuern. Er ist lieber in die Schweiz, ein Land, welches dafür bekannt ist, den Reichen ihr Geld auf andere Weise aus der Tasche zu ziehen als über Steuern und Sozialabgaben.

Meinetwegen mag er ein herausragender Rennfahrer gewesen sein, wie ich verschiedentlich gehört habe, ein Ausnahmesportler, ich will das nicht in Abrede stellen. Vielleicht ist er auch ein sehr netter Mensch, ein guter Vater, Ehemann, Sohn, Bruder, Freund, Kumpel. Allein, ich weiß es nicht, denn ich kenne den Herren nicht. Ich habe jedoch mitbekommen, dass Michael Schumacher sich vor geraumer Zeit aus dem Rennsport zurückgezogen hat und auch ein Comeback-Versuch gescheitert ist. Das bedeutet für mich in erster Linie, dass er Rennfahrer außer Dienst ist und somit nach meinem Promi-ABC an hintere Stelle gezogen ist.

Und genau deswegen drücke ich zwar gerne Mitgefühl für die Familie Schumacher und den Herren selbst aus. Und das meine ich auch ehrlich. Doch das gleiche Mitgefühl habe ich für andere Menschen, die sich selbst gerade in einer schwierigen Situation befinden, eine Verletzung erlitten haben, schwer erkrankt sind, durch ein Unglück Hab und Gut oder einen Angehörigen verloren haben. Sie alle verdienen nicht nur mein Mitgefühl sondern das aller anderen Mitmenschen. Und auch sie bedürfen einer Hand, die sie hält, eines tröstenden Wortes, wahrscheindlich sogar sehr viel dringlicher als Michael Schumacher und dessen Familie, denn auch wenn die Verletzungen sicher schwer und vielleicht auch lebensgefährlich sind, so verfügt die Familie Schumacher über ausreichend Geld, um das Leid auf nur jede erdenkliche Weise lindern zu können. Die Familie steht nicht mittellos da. Für Herrn Schumacher wird in der Klinik bestens gesorgt. Ihm wird keine Therapie vorenthalten, weil seine Krankenversicherung sie nicht zahlt.

Bitte nicht falsch verstehen: ich nehme auch einen gewissen Anteil und ich kann mir vorstellen, dass es der Familie gerade nicht gut geht. Aber auch gerade deswegen wünschte ich mir von den Medien zur Zeit nur eines: Stillschweigen! Die Nachricht, dass er verunfallt war, okay, eine Nachricht, wie schwer die Verletzungen wiegen, gerne noch. Aber ab dann Ruhe geben, vor allem auch für die Familie.

Nur den Gefallen wird uns nicht nur die Regenbogenpresse nicht tun, wie ich befürchte. Das neue Jahr fängt somit journalistisch und menschlich bereits äußerst fragwürdig an.

Jetzt ist es amtlich

Die SPD-Mitglieder haben für den Koalitionsvertrag gestimmt und somit den Weg für die große Koalition frei gemacht. Im neuen Kabinett finden wir neue (Super-)Minister und andere Aufgabenverteilungen. Zumindest einer hat in meinen Augen den großen Ritt gemacht: Sigmar Gabriel. Das ist übrigens der gleiche Mann, dem wir das Verbot der Glühlampen zu verdanken haben oder der sich für die Vorratsdatensicherung einsetzt. Wie er sich immer wieder für das politische Kalkül wendet, gefällt mir persönlich nicht. Und auch nicht, dass er nun die Geschicke der Energiewende leiten soll. Aber Hut ab: weit gebracht hat es der Mann aus dem Harz!

Noch ein Niedersachse oder besser eine Niedersächsin hält sich wacker im Sattel: Ursula von der Leyen. Mal Familie, dann Arbeit und nun die Verteidigung ist ihre Aufgabe. Auch wenn sich die Medien in Deutschland schon wieder vergallopieren – warum sollte eine Frau diese Aufgabe nicht genauso gut oder vielleicht auch besser meistern als ein Mann? Ach ja, weil die alten Seilschaften sicherlich vor allem Mitglieder männlichen Geschlechts sind. Dennoch ist es mehr als an der Zeit, dass gerade diese Strukturen endlich aufgebrochen werden!

Was erwarte ich nun von unserer Regierung in den kommenden Jahren? Ich persönlich? Nicht viel, denn es fehlt mir ganz eindeutig ein großes Regulativ. Linke und Grüne werden sich erheblich anstrengen müssen, um weniger populären Themen oder Sichtweisen Gehör zu verschaffen. Und das finde ich ziemlich bedenklich. Mir persönlich wäre daher eine Minderheitenregierung oder eine andere Koalition deutlich lieber gewesen. Nur bin ich eben ausschließlich am Wahltag gefragt worden. Und meine beiden Kreuze haben eben diese Konstellation nicht verhindern können.

Aber auch wenn ich nicht besonders erwartungsvoll bin, so hoffe ich dennoch, dass ich viele positive Überraschungen erleben werde. Eine bezahlbare aber konsequente Energiewende wird es mit einer CDU/CSU-SPD-Regierung nicht geben, wie wir schon aus dem Koalitionsvertrag lesen können. Mehr Kohle und somit mehr Umweltverschmutzung werden unsere bisherigen Versuche CO2 zu mindern und die Luft sauber zu bekommen nicht unterstützen.

Schauen wir mal, was nun kommt. In Jubelrufe mag ich derzeit nicht ausbrechen.

Nun bestimmen die SPD-Mitglieder über die Geschicke des Landes

Nun sind die Verhandlungen über die große Koalition zu Ende, der Vertrag steht. Die Politiker, insbesondere die Funktionsträger in der SPD werden nicht müde, den ausgehandelten Vertrag als den großen Wurf anzupreisen. Oft haben wir hören und lesen dürfen, was der Wähler angeblich gewollt habe, als er damals im September seine beiden Kreuze auf dem Wahlschein hinterließ. Es gab auch die eine oder andere Umfrage dazu. Nach dem knappen Ergebnis hieß es hier und dort, der Wähler habe die große Koalition gewollt oder die meisten Deutschen wünschten sich diese große Koalition.

Aber: als Wähler kann ich doch gar keine Koalition wählen. Ich kann meine beiden Kreuze lediglich beim Direktkandidaten und bei der Partei machen. Natürlich kann ich einen Direktkandidaten der einen Partei wählen und doch eine andere Partei. Aber wähle ich damit eine Koalition? Oder gebe ich vielleicht einem Kandidaten die Stimme, weil ich von ihm – und weniger von dem Parteiprogramm – überzeugt bin? Vor allem aber bestimme ich doch mit dem Direktmandat lediglich mit, welcher Kandidat direkt in den Bundestag einzieht. Die Parteienstimme bestimmt aber im Grunde die Mandatsverteilung – bis auf die Ausnahme über die Überhangmandate. Also kann ich als Wählerin gar keine Koalition wählen.

Das heißt natürlich nicht, dass ich nicht vielleicht doch eine Koalition bevorzugen würde. Gründe gäbe es dafür verschiedentliche. So haben sicher viele konservative Wähler jahrzehntelang der FDP ihre Zweitstimme, also die Stimme für die Partei, gegeben, weil es quasi klar war, dass es eine Koalition zwischen der CDU, der CSU und der FDP geben würde. Menschen, die eher links-orientiert waren, haben dagegen eher einem SPD-Kandidaten die Erststimme gegeben und mit der Zweitstimme die Grünen gewählt, weil sie dem ökologischen Gedanken mehr Raum geben wollten.

Vor der diesjährigen Bundestagswahl haben wir gelernt, dass die CDU keine Zweitstimmenkampagne mit der FDP mehr wollte. Das hat schließlich dazu geführt, dass diese Koalition mangels Abwesenheit der FDP-Fraktion im Bundestag, keine Option mehr ist. Die SPD hingegegen hat voher deutlich gesagt, es werde mit ihnen keine Koaltion mit der Linken geben könne.

Wer halbwegs rechensicher ist, dass es unter diesen Umständen natürlich nur zwei Optionen für eine Koalition geben könnte. Schwarz-Grün oder Schwarz-Rot. Die Grünen haben schnell erkannt, dass ihre Wähler wohl größtenteils im Moment keine Koaltion mit der CDU haben wollten. Zu unterschiedlich sind beispielsweise die Positionen bei der Energiewende.

Am Ende gibt es also anscheinend nur eine Konstellation: die große Koaltion. Eine Minderheitenregierung wäre für die CDU/CSU wohl eine Option, vor den Neuwahlen scheut sich die SPD wie der Teufel das Weihwasser.

Nun werden die SPD-Parteimitglieder nach ihrer Meinung gefragt. Sie sind am Ende das Zünglein an der Waage, sie bestimmen, ob es eine Koalition oder Neuwahlen geben will. Da die SPD ein Quorum von 20 Prozent für ausreichend hält, könnten weniger als 50.000 Bürger darüber bestimmen, ob es im Dezember eine Regierungsbildung geben wird. Leicht macht es ihnen die eigene Partei allerdings nicht. Die Ministerposten sind längst ausgehandelt. Doch die Mitglieder sollen ohne das Wissen darum allein über den Vertrag bestimmen. Das scheint auf den ersten Blick eine gewisse Neutralität ins Spiel zu bringen. Doch ist dem wirklich so? Oder kann es nicht vielmehr doch einiges bedeuten, ob Siegmar Gabirel Wirtschaftsminister wird, Peter Altmaier Umweltminister bleibt oder wie sonst die Macht verteilt wird? Lässt die Postenwahl nicht vielemehr doch den Schluss zu, welches Gewicht auf welche Ressorts verteilt wird?

Meiner Meinung nach steckt die SPD nun in einem großen Dilemma. Stimmen die Mitglieder gegen den Koalitionsvertrag, wird es Neuwahlen geben. Der Gewinner könnte die CDU sein oder gar auch die FDP oder die AfD, die beide knapp an der 5-Prozent-Hürde gescheitert sind. Käme die SPD noch einmal auf über 20 Prozent in der Wählergunst? Auf der anderen Seite hat die letzte große Koalition die SPD stark gebeutelt. Sie hat sich in der Zeit nicht positionieren können. Vielen Wählern war am Ende nicht mehr klar, welches die sozialdemokratischen Ziele sind und warum sie die SPD wählen sollten. Aus einer großen Volkspartei wurde eine bröckelnde. Gut möglich, dass nach einer nächsten großen Koalition die SPD für den Wähler völlig unwichtig werden wird und sie wieder deutlich an Stimmen verliert.

Mir persönlich wären Neuwahlen lieber. Sie bedeuteten mehr Ehrlichkeit!

Liebes ebay, …

Mail von ebaywie kommst Du darauf, dass mir für das Oktoberfest etwas fehlen könnte? Hast Du denn noch nicht ausreichend Daten über mich sammeln können, um zu wissen, dass ich ganz bestimmt nicht nach München zum Oktoberfest fahren werde? Dass ich nicht einmal hier in Braunschweig oder Umgebung eines besuchen werde? Auch nicht, dass ich weder mit Dirndln und schon gar nicht mit Lederhosen (vorsicht, ich bin schließlich Veganerin) etwas anfangen kann?

Habt Ihr auch nicht gewusst, dass ich gegen diesen Konsum-Terror bin? Entschuldigung, aber ich lasse mich seit geraumer Zeit von Werbung nicht so stark beeinflussen. Nicht nur das schlechte Fernsehprogramm sondern auch die unerträgliche Werbung hatten seinerzeit vor vielen Jahren dazu beigetragen, dass ich meinen Fernseher abgeschafft habe. Ich höre auch nur noch sehr selten Radio – und auch das liegt nicht allein am schlechten Programm, den immer wieder gleich dudelnden Songs, den dümmlichen Jingles, den sich ständig wiederholenden Nachrichten sondern auch an der nervigen Werbung!

Auch andere Unternehmen haben es geschafft, dass ich Ihre Webseiten nicht mehr besuche und folglich dort auch nichts mehr kaufe/konsumiere. Es haben sogar Unternehmen und Geschäfte geschafft, dass ich dorthinein keinen Fuß mehr setze, da ich mich dort genervt fühle oder dergleichen. Ich lass mich als Kundin nicht gerne anschreien, deswegen meide ich bestimmte Elektronik-Märkte, laute Techno-Musik hält mich auch schnell aus jedem Geschäft fern – egal ob Bekleidung, Frisör oder sonst etwas.

Ach ja, ich bin auch keine Schnäppchenjägerin. Ich habe das allermeiste, was ich brauche. Und was noch dazu kommt, wähle ich mir sorgfältig aus. Sei es Bekleidung, die ich gewiss nicht nur für einen Anlass kaufe. (Nein, habe ich nicht mal zu meiner eigenen Hochzeit vor 30 Jahren getan.) Ich versuche seit Jahr und Tag verantwortungsvoll einzukaufen. Das gelingt mir zwar nicht immer aber immer besser. Zum nachhaltigen Einkaufen gehört für mich durchaus auch, Dinge von anderen Menschen zu erwerben, wenn diese sie nicht mehr brauchen, ich sie aber gebrauchen kann. Das kann ein Fahrrad sein, ein Möbelstück, eine Schallplatte oder eine CD. Dafür, liebes ebay, bin ich überhaupt bei Dir. Und nur dafür nutze ich Dich. Dumm für Dich? Ja, das kann ich mir vorstellen. Denn Du verdienst ja nur an denen, die viel konsumieren.

Die beste Entscheidung

Vor einem knappen Jahr hat mich meine Tochter mit einer Idee überfallen: dass wir auf vegane Ernährung umstellen. Ich habe den allergrößten Teil meines Lebens vegetarisch gelebt. Kein Fleisch zu essen war für mich selten ein Verzicht. Dafür esse ich umso lieber Gemüse und Obst. Ja, genau in der Reihenfolge. Es gibt Obst, dass ich sehr gerne esse, aber lieber noch Gemüse.

Aber, und das war der Kasus Knaktus in meiner Überlegung, ich lieb(t)e Käse, Joghurt und ab und an ein Frühstücksei. Und das nicht mehr essen zu können, konnte ich mir gar nicht vorstellen. Die mit Käse überbackene Pizza, Aufläufe, Blauschimmelkäse auf’s Brot, ein Stück Käse zum Naschen, Nudeln mit Käse, um nur die wichtigsten Dinge zu nennen.

Ich war also nicht sofort Feuer und Flamme. Außerdem: ich hatte sowieso schon Eisenmangel und hatte Angst, dann auch noch zu wenig Kalzium zu mir zu nehmen. Ich wollte nicht frühzeitig an Osteoporose erkranken oder sonst eine Mangelerkrankung bekommen. Und auch meinen heiß gelieben Latte Macchiato zum Frühstück wollte ich nicht missen.

Gleichwohl, ich begann mich zu informieren. Im Internet und in Büchern und schließlich war ich Feuer und Flamme. Wir machten bei der Challenge Vegan for fit mit. Das heißt, wir lebten 30 Tage lang mehr oder minder streng nach dem Buch. Tierische Zutaten oder Bestandteile gab es keine in unserem Essen. Wohl aber wandelten wir Rezepte ab, damit sie uns auch schmeckten oder bekamen. Und am Ende der Challenge waren wir erstaunt, wie leicht uns der Umstieg gefallen war. Kaffee hatten wir uns einmal die Woche gegönnt. Ansonsten Wasser und grünen Tee getrunken. Brot fast gar nicht gegessen.

Dennoch hat mir das Brot kaum gefehlt. Vorher habe ich mir ein Leben ohne Brot gar nicht vorstellen können. Heute kein Problem: gekochte Hirse, Müsli oder Sojaghurt zum Frühstück, mittags Gemüse, Bulgursalat, Linsensalat oder was auch immer, abends vor allem Blattsalate oder die Reste vom Mittag. Ich mache Falafeln selbst, bereite Tofu in den verschiedensten Variationen vor, esse gekochten Brokkoli mit gerösteten Saaten in Zitronensaft und etwas Öl als vollständige Mahlzeit, genieße ab und an mal ein veganes Eis, trinke kaum noch Kaffee und fühle mich rundherum sehr wohl.

Bemerkenswert finde ich, dass ich meine Rückenschmerzen nur noch selten habe und ich mich insgesamt beweglicher und energievoller fühle. Ich bin insgesamt auch gelassener geworden. Davon könnte Lilly, meine Podenco-Hündin ein Lied singen, würde sie mich vorher gekannt haben. Was auch immer in ihr vorgeht: im Moment stellt sie zwischendurch jede Menge Unsinn an: Sie nagt am Kickertisch, knabbert den Teppich an, räumt den Papierkorb aus, zieht sich die Post vom Tisch, findet Kabel zum zerbeißen, klaut sich ihre Leine und zerbeißt sie und, und, und. Nicht, dass ich das alles ignorierte, jedoch haut es mich nicht um. Es macht mich manchmal traurig, ich sehe aber vor allem das Problem, das sie hat. Vor einem halben Jahr noch frei lebend, jetzt gefangen bei mir. Sie mag die Kälte draußen nicht und kann auch den Regen nicht leiden. Aber sie spielt gerne mit mir. Sie liebt es zu springen und zu rennen. Und außerdem frisst sie alles, was ihr zwischen die Zähne kommt. Jedenfalls bin ich noch keinen Tag verzweifelt am Rande eines Nervenzusammenbruchs gewesen, auch wenn ich über manche Eskapade sicher nicht glücklich war.

Ich stelle also fest: meinem Rücken geht es besser, meinem Energiehaushalt ebenfalls und wohl auch ganz besonders meinen Nerven. Ich bin über das Jahr gesehen gesünder als vorher. Selbst die große Hitze diesen Sommer hat mir mit meinem Herzfehler dieses Jahr weniger zugesetzt als in der Vergangenheit. Die vegane Ernährung war mit anderen Worten wohl die beste Entscheidung, die ich treffen konnte.

Tierliebe und Tierschutz

Ich bin bekennend tierlieb. Ich habe schon viele Haustiere gehabt. Darunter Fische, Katzen, Kaninchen, Meerschweinchen, Vögel, Frettchen, vor allem aber Hunde. Derzeit leben zwei Hunde in meinem Haushalt. Eine Mischlingshündin, die sich bei ihrer Vorbesitzerin nicht so wohl gefühlt hat, weil diese zu viel gearbeitet hat und eine Podenco-Hündin, ein ehemaliger Straßenhund aus Spanien. Ich mag Tiere – bis auf nervtötende Ausnahmen wie Fliegen, Mücken etc. – sehr gerne. Außerdem esse ich vegan. Allerdings vorwiegend aus gesundheitlichen Gründen. Ich bin aber auch froh, dass ich damit die Massentierhaltung nicht mehr unterstütze.

Tierliebe drückt sich bei uns in sehr unterschiedlicher Couleur aus. Die einen kaufen Ihrer Katze ein Sofa, welches im Preis locker mit einem Designer-Möbelstück mithalten kann, die nächsten ziehen ihrem Hündchen T-Shirt oder Blink-Blink-Halsband an. Auch in der Ernährung gibt es so mancherlei Auswüchse, die ich mit staundenden Augen beobachte. Natürlich will auch ich meinen Hunden nicht schaden. Daher steht immer frisches Wasser bereit und es gibt artgerechtes Hundefutter. Ab und an auch mal ein Leckerli als Belohnung. Die Hunde dürfen auch auf Teilbereiche meines Sofas, nicht aber in mein Bett. Wenn ich keine Zeit für die Tiere habe, gebe ich sie zu jemandem, der sich um sie kümmern kann. Und ich nehme die Tiere durchaus auch mit in meinen Urlaub. Schließlich gehören sie zu meinem Leben dazu.

Lilly, spanischer Straßenhund, Podenco

Lilly braucht sehr viel Schlaf – nach ihrem Ausbruch mehr als je zuvor.

Dass mir Lilly in meinem Urlaub weggelaufen war, hat mich tief getroffen. Ich hatte sehr große Angst um sie und habe befürchtet, sie nie wieder zu sehen. Doch Glück hatten wir, Lilly und ich. Sie ist wieder da. Es ist ihr nichts Schlimmes passiert. Aber sie ist scheuer denn je und sehr abgemagert. Heute früh machte sie von sich aus wieder die ersten Annährungsversuche. Immerhin! Denn gestern bin ich auf einen Artikel gestoßen, der mir deutlich machte, dass wir mehr als nur Glück gehabt haben: http://www.derwesten.de/staedte/neheim-huesten/hund-wird-von-polizei-auf-a46-erst-beschossen-und-dann-ueberfahren-id8163886.html. Ein Hund, ebenfalls ein Hund aus Spanien, war entlaufen. Der Hund befand sich in der Nähe einer Autobahn. Daher fühlte sich die Polizei dazu genötigt, etwas zu unternehmen. Sie schoss auf den Hund und überfuhr ihn anschließend. So jedenfalls ist es in der WAZ nachzulesen.

Ich will hier an dieser Stelle weder die Polizei verurteilen noch behaupten, sie hätte alles richtig gemacht. Ich war nicht dabei, kenne die Gefährdungssituation vor Ort nicht und weiß zudem nicht, ob die WAZ das Thema wirklich neutral und realitätsnah geschildert hat. Gleichwohl kommt mir die Reaktion der Polizei überzogen vor.

Doch es geht mir um andere Dinge: Um den Tierschutz und die Tierliebe, die vielleicht auch manchmal nur gut gemeint, aber schlecht gemacht sind. Seit vielen Jahren werden Tiere aus Süd-Europa nach Deutschland gebracht, um sie vor dem sicheren Tod zu bewahren. Hier sollen sie in gute Hände vermittelt werden. Und viele dieser Hunde haben ein tolles Zuhause bekommen. Und doch wage ich es, diese Praktik zu hinterfragen. Ist es wirklich richtig, Tiere aus aller Herren Länder nach Deutschland zu bringen, damit sie nicht verwahrlosen oder gar getötet werden? Wenn ich das Einzelschicksal ansehe, dann kann ich die Frage nur bejahen. Gucke ich aber auf den Tierschutz insgesamt, wird daraus eine politische Frage. Denn im Grunde ist es ähnlich wie bei Kindern in der dritten Welt. Ich kann vielleicht einem einzelnen, elternlosen Kind helfen, indem ich es adoptiere. Doch Menschen in der Masse nach Deutschland zu holen, damit sie in Bangladesh oder wo auch immer nicht verhungern, ist keine Lösung.

Besser als die ganzen Tiere nach Deutschland zu holen ist es, die Länder dort in ihren Tierschutzbemühungen zu unterstützen. Die Menschen in Spanien, Griechenland, Ungarn und so weiter sollten in die Lage versetzt werden, ihre Probleme selbst zu lösen. Wenn wir all die Problemtiere nach Deutschland holen, tragen wir mitunter dazu bei, dass Tiere weiter ohne Rücksicht gezüchtet oder dass Tiere auf die Straße gesetzt werden. Denn wir kümmern uns ja anschließend darum. Wir kaufen die niedlichen Welpen, holen Straßenhunde nach Deutschland und schon sind wir Teil des Systems.

Was die Straßenhunde angeht, so kann ich aus eigener Erfahrung mit Lilly eben sagen, dass der Hund ganz sicher noch lange Zeit benötigen wird, sich zu aklimatisieren. Auch er leidet unter einer Art Kulturschock. Das Klima ist anders. Die Menschen sind anders. Der Verkehr ist anders. Ich habe diesen Hund als Einzelschicksal genommen, lebe nun aber auch mit den Konsequenzen. Ich weiß, dass ich ihm noch sehr lange nicht vertrauen kann. Denn er ist nicht so sozialisiert, wie es ein deutscher Hund ist. Wahrscheinlich hätte ich mir auch unter normalen Umständen keinen zweiten Hund angeschafft. Dennoch ist es wohl so, dass manch deutscher Hund wegen dieser Tierliebe zu Straßenhunden viel länger im Tierheim sitzt, als es notwendig wäre. Die Tierheime sind voll mit tollen Hunden. Manch Insasse lebt leider schon Jahre dort. Ich glaube, wir sollten lieber helfen, in anderen Ländern einen Tierschutz aufzubauen, als die Tiere hierher zu holen. Und das sage ich als Besitzerin eines Podencos, der bis vor kurzem noch in Spanien lebte.

Lilly in Fuhlendorf – ein Abenteuerurlaub

Lilly_Fuhlendorf by journalistinbs
Lilly_Fuhlendorf, a photo by journalistinbs on Flickr.

Wie habe ich mich auf die drei Tage in Fuhlendorf gefreut! Endlich mal wieder so etwas wie Urlaub – für mich, Lotta und Familienzuwachs Lilly.

Lilly ist ein Straßenhund aus Spanien, der gerade erst kurze Zeit in Deutschland lebt und sich erst einmal eingewöhnen muss. Sie hatte sich auch zunächst sehr gut gemacht. So dass unserem Urlaub nichts im Wege zu stehen schien.

Gleichwohl entwickelte sich der Urlaub zu allem anderen als zu einer Erholungszeit. Denn Lilly befreite sich am Dienstagfrüh aus dem Halsband und lief davon, weil sie von Menschen erschreckt worden war.

Mein sofortiger Versuch, sie wieder einzufangen bzw. anzulocken ging daneben. Lilly ist ein Podenco – ein Windhund – und entsprechend schnell war sie davon. Ich bin ihr zwar mit Sack und Pack hinterher gelaufen. Doch nach 10 Kilometern verlor sich ihre Spur.

Später wurde sie weitere viele Kilometer entfernt gesichtet. Aber meine Suche dort blieb erfolglos. Am Abend dann wieder in der Nähe der Stelle, an der sie weggelaufen war. Ich sah sie sogar kurz. Doch statt zu kommen, lief sie auch dieses Mal einfach ins Unterholz – und ward nicht mehr gesehen. Auch am nächsten Morgen hatte ich eine kurze Begegnung. Bei unserer Suche begrüßte Lilly kurz Lotta, meine andere Hündin, und verschwand auch schon wieder.

Schließlich musste ich zurück nach Braunschweig fahren. Schweren Herzens ohne Lilly. Aber ich hatte Glück. Am Sonntag wurde sie vom Ordnungsamt Born eingefangen und so konnte ich sie wieder abholen.

Gesagt, getan. Gute 400 Kilometer hin, die gleiche Strecke mit Stau zurück. Aber ich war vor Mitternacht wieder daheim. Mit Lilly, die voller Zecken und Flöhe war. Das SpotOn, welches ich ihr gerade gegeben hatte, hat in der Wildnis wohl keine Wirkung gehabt. Die Flöhe sind wir heute früh so gut wie los. Die Zecken, so weit ich sie gefunden habe, ebenfalls.

Nun müssen wir uns wieder aneinander gewöhnen. Aber das wird schon. Lilly ist sehr erschöpft, hat angeschwollene Pfoten und schläft sehr, sehr viel. Das ist auch gut so. Sie soll sich vom Schock erholen – und nie wieder auf die Idee kommen, dass Weglaufen ein schöneres Leben bedeuten könnte.

Draußen ist es schön, wenn man auch ein Zuhause kennt. Sonst ist es unwirtlich. Kein Futter, keine bequeme Liegefläche, keine Wärme, keine Freunde, ganz viel Schmarotzer wie Flöhe, Mücken oder Zecken. Schauen wir mal, dass Lilly das endlich versteht!

Alien in der digitalen Welt

Katharina Rosch

Ein Alien

Hilfe, ich bin ein Alien in der digitalen Welt. Lange Zeit war mir das nicht so stark aufgefallen. Doch seit Facebook mir nun immer mitteilt, wer gerade welche Spiele spielt, ich auch die Anwendung „Spieleneuigkeiten“ nicht abschalten kann, weiß ich, ich bin ein Alien! Warum? Weil ich meinen Computer nicht zum Spielen nutze. Nicht online, nicht offline. Das höchste der Gefühle ist mal eine Patience, wenn ich Ladezeiten überbrücken will. Aber auch das kommt nicht täglich vor.

Vor Jahren habe ich mal dieses Spiel mit den Lemmingen gespielt. Das fand ich auch ganz amüsant. Es hat meinen Kopf gefordert, logisches Denken war gefordert. Aber: es hat definitiv zu viel Zeit geraubt. Also habe ich es irgendwann gelassen. Ich habe auch mal Tomb Raider angesehen und manches Jump and Run-Spiel. Aber ich bin dafür nicht talentiert, will sagen, es packt mich nicht. So wie mich auch das Fernsehen nicht packt. Warum aber sollte ich es dann nutzen?

Was ich sonst so mache, wenn ich nicht fernsehe und nicht spiele? Hm, lasst mich überlegen. Mich langweilen? Nein. Ganz im Gegenteil. Ich wünsche mir viel mehr Zeit pro Tag. Was sonst? Also ich koche selbst und fast immer frisch. Dann backe ich auch mal ganz gerne. Dann ist da ja auch noch Lotta. Mit ihr spiele ich gerne. Das ist lustig, wenn sie so freudig dabei ist. Aber ich gehe auch gerne mit ihr raus. Außerdem lese ich gerne und viel. Im Netz, eBooks und echte Bücher. Und ich höre wahnsinnig gerne Musik. Zudem diskutiere ich gerne. Und nicht zuletzt sitze ich bei schönem Wetter gerne auch mal nur in der Sonne und genieße das. Oder ich fotografiere gerne. Auch experimentiere ich mal ganz gerne mit Videos.

Wenn ich so darüber nachdenke, habe ich überhaupt keine Zeit für Computerspiele. Und keine Geduld. Das gilt übrigens auch für Handy und Co. Ich habe früher als erstes diese komischen voreingestellten Nummern, Bilder und Spiele gelöscht. Nahm nur Speicherplatz weg und wurde eh nicht genutzt.

Also ist klar: ich bin ein Alien. Und ich werde alt. Aber es macht Spaß – und das ist doch wichtig, oder?

Endlich! Ein Mülleimer im kleinen Park

Papierkorb2 by journalistinbs
Papierkorb2, a photo by journalistinbs on Flickr.

Da staunte sogar Lotta. Als wir am Montag zur Arbeit gingen, stand der Papierkorb noch nicht da. Mittags plötzlich war er da. Sollten meine Beschwerden und Bitten gefruchtet haben? Doch damit nicht genug. Am Abend gab es noch einen zweiten auf der anderen Seite. Endlich!

Denn bisher war dieser kleine Park leider eine Hundekloake. Ich kann die anderen Hundebesitzer sogar verstehen. Weit und breit kein öffentlicher Mülleimer. Wer – wie Lotta und ich – täglich mehrfach eine Runde Gassi ging, hatte seine liebe Not. Denn verantwortliche Hundehalter entsorgen durchaus die Hinterlassenschaften ihrer Hunde. Diese dann aber den ganzen Spaziergang mit sich zu führen, ist schon eine Zumutung gewesen. Aber es gab nun einmal weit und breit keinen öffentlichen Mülleimer. Und so blieb mancher Haufen einfach liegen. So sah es dann auch aus.

Endlich scheinen meine Bitten und Anregungen erhört worden zu sein. Jedenfalls: Lotta und ich freuen uns darüber! Eine schöne Errungenschaft.

Veganer Cupcake

Foto by journalistinbs
Foto, a photo by journalistinbs on Flickr.

Ja, ich wusste auch lange Zeit nicht, dass sich so leckere Sachen wie dieser Cupcake völlig ohne tierliche Bestandteile backen lassen. Aber es ist dennoch möglich. Und sie schmecken auch so gut, wie sie aussehen.

Dieser Cupcake besteht aus einem Schokoteig (Mehl, Rohrzucker, Sojadrink, Vanille, Kakao, Walnussöl, Apfelessig, Schokoflocken, Alsan, Bitterschokolade, Puderzucker und einer Erdbeere).

Ich esse nun seit Oktober 2012 nur noch vegan. Das hat mir viele gesundheitliche Vorteile gebracht. Und ich denke, auch für die Umwelt ist das die bessere Alternative. Massentierhaltung ist nicht zuletzt am Klimawandel mit Schuld. Zudem sorgt der hohe Fleischkonsum für noch mehr Hunger in den armen Ländern.

Auf jeden Fall gibt es bisher keine kulinarischen Einbrüche. Es gibt leckere Sachen, die man grillen kann – und keineswegs esse ich nur Tofu.

Das Ei des Kolumbus – aber wir wollen die Lösung oft nicht sehen

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Ich jedenfalls bin jetzt Skandal-müde. Erst Amazon, dann Pferdefleisch und nun die Bio-Eier. Zum Glück ist der Papst zurückgetreten, so gibt es schon wieder etwas Neues zu berichten und darüber können wir ganz schnell die anderen Skandale vergessen. Selbst wenn wir auch bei Ikea keine Kött Bullar mehr essen können, sogar der Döner in Verdacht steht, mit Pferd oder gar Schwein angereichert worden zu sein, unser zurückgetretener Papst tourt jetzt durch alle Kanäle. Ob Radio, Fernsehen, Internet, Zeitung auch in den Social Media-Plattformen vergehen kaum fünf Minuten ohne dass nicht einmal etwas über den Papst verbreitet wird.

Jetzt frage ich mich gerade, ob das mit dem Papst nicht auch irgendwie ein Skandal ist, wo er doch er erste Papst der Neuzeit ist, der sein Amt noch vor dem Tod aufgibt.

Was aber beruhigend ist, Frau Aigner hat ganz schnell auf die Lebensmittel-Pferdereien reagiert. In Zukunft müssen die Fälscher genau angeben, wann sie die Etiketten gefälscht haben. Und Bio-Hühner bekommen jetzt grünen Farbstoff ins Futter gemischt, so dass auch nur sie grüne Eier legen können. Wir können uns also beruhigt zurücklehnen und hoffen, dass wir noch mal Papst werden, oder wenigstens Vize-Papst.

Oder doch nicht? Sind doch nicht alle Problemchen gelöst? Sollten möglicherweise in Zukunft noch andere weniger schöne Dinge in den Lebensmitteln gefunden werden? Hat man wirklich schon allen das Handwerk gelegt und für die Zukunft vorgesorgt? Es hatte sich ja auch die Deutsche Bank mal versuchsweise aus den Lebensmittel-Wetten zurückgezogen, um ihr Image aufzupolieren. Doch im Grunde wird weiter gemacht wie vorher. Die Banken spekulieren munter weiter – leider oft auf Kosten des gemeinen Steuerzahlers. Die Landwirtschafts-Industrie behummst uns mit Sicherheit auch (bald) weiter.

Erinnern Sie sich an BSE? Wer von uns weiß denn noch, dass BSE zuerst als Scrapie bei Ziegen und Schafen aufgetreten ist. Man nahm an, dass die Rinder sich mit verunreinigtem Tiermehl angesteckt hatten. Dazu sag ich nur: „Hallo? Rinder und Tiermehl? Rinder sind doch keine Fleischfresser!“ Aber das suchen sich unsere Tiere längst nicht mehr aus. Wir nimmersatten Verbraucher brauchen Massen von Fleisch, wenn die Tiere mit Tiermehl gefüttert werden, sind wir einerseits die unliebsamen Abfälle los. Die Lösung, dass wir kein Fleisch von kranken Tieren essen, liegt ja auch auf der Hand: wir schlachten sie einfach, bevor die Krankheit ausbrechen kann.

Mal ehrlich: so kann es doch nicht weitergehen! Sind wir alle so blind und müde, von den Medien mit dummem Populismus zugedröhnt, dass wir gar nicht mehr sehen, dass die Lösung ganz woanders liegt? Hören wir auf, Massen an Fleisch zu konsumieren. Wenn Sie zu Fleisch greifen, dann gehen Sie auf die Erzeuger-Höfe und kaufen dort ein. Kaufen Sie keine Milch oder Eier mehr aus der Massentierhaltung. Stärken Sie die heimische Wirtschaft und kaufen vor allem regionale Produkte im regionalen Einzelhandel. Machen Sie den Irrsinn doch einfach nicht mehr mit und ignorieren Sie den Aufschrei, der unweigerlich kommen wird, ob der Entlassungen, die dann in der Lebensmittelindustrie erfolgen müssen. Meist handelt es sich dort ohnehin um Arbeitsplätze, die wenig schützenswert sind. Wenn Sie regional kaufen und die regionale Wirtschaft stärken, sorgen Sie aber zugleich für mehr Arbeitsplätze in der Region. Nur nehmen Sie den Global-Unternehmen wie Kraft, Unilever, Procter and Camble ein wenig ihrer Macht.

Wenn Sie Bananen oder Kaffee kaufen, kaufen Sie Fairtrade-Produkte. Damit sorgen sie dafür, dass auch die Bauern im Ursprungsland halbwegs fair bezahlt und nicht mit Pflanzenschutzmittlen vergiftet werden. Gesünder und gar nicht so schwierig ist es, sich seinen Fruchtjoghurt oder seinen Pudding selbst herzustellen. Und tatsächlich wenig aufwändig. Früchte und Joghurt, bei Bedarf etwas Zucker und schon gestalten Sie Ihren eigenen Lieblingsjoghurt. Kalt gerührter Schokopudding gefällig? Milch (ruhig einen Milchersatz aus Pflanzen) nehmen, Kakaopulver und ein wenig Zucker in etwas Milch anrühren, den Rest der Milch dazu, dann Johannesbrotkernmehl einrühren, kurz aufschlagen. Schon ist der (kalte) Pudding fertig. Und Sie allein bestimmen über Zuckergehalt und Qualität des Kakaos!

(M) ein Plädoyer für mehr Nachhaltigkeit

Neben dem Deklarations- oder Täuschungsskandal von Hackfleisch hat die ARD-Reportage über die Zustände bei Leiharbeitern von Amazon in dieser Woche viele Gemüter erhitzt. Und das auch berechtigterweise! Doch alleine die Aufklärung zu fordern, vielleicht verbunden mit dem Versprechen der Besserung, oder Gentests beim Fleisch, wird keine dauerhafte Änderung mit sich bringen.

Zum einen werden die Verbraucher die Umstände schnell wieder vergessen oder sogar aktiv verdrängen. Wir werden mit so vielen Informationen und angeblichen Wichtigkeiten zugedröhnt, dass es mitunter wirklich schwer fällt, den Dingen dauerhaft Beachtung zu schenken. In diesem Zusammenhang seien Würmer in den Fischen, die Vogelgrippe, BSE, Schweinepest, Überwachungsskandale bei Lidl, Aldi und Co genannt. Kurzfristig gab es Aufschreie, und genauso kurzfristig hat sich das Verbraucherverhalten geändert. Woran das liegt? Wir Menschen sind vor allem auch Gewohnheitstiere. Vieles von dem, was wir tun, haben wir sozusagen automatisiert. Wir denken gar nicht darüber nach, ob wir beim Autofahren schalten oder blinken, wir denken genauso wenig darüber nach, welches Produkt wir in den Einkaufswagen legen, wenn uns dieses Produkt schon lange Zeit begleitet.

Zudem werden wir von der Werbung und anderen Einflüssen nachhaltig eingelullt. Wir meinen, Dinge zu benötigen, die wir die ersten zwei Wochen sogar richtig toll finden. Doch spätestens nach einem halben Jahr liegen viele Dinge ungenutzt bei uns herum. Der neue Hometrainer? Steht im Keller oder kaum benutzt im Gästezimmer. Die alleskönnende Küchenmaschine? Steht unten im Schrank, fast haben wir vergessen, dass wir sie mal gekauft haben. Warum das so ist? Weil viele Dinge und Handlungen es eben wiederum nicht schaffen, zu einer Gewohnheit zu werden. Gleichzeitig schaffen wir es aber auch nicht, die Dinge alle in unserem Bewusstsein zu halten. Eine Überlastung wäre die Folge. Und das in einer Zeit, in der sehr viele Menschen über Burnout klagen.

Was also können wir tun, um wirklich Veränderungen hinzubekommen? – Diese Frage stellen sich sicher auch viele Menschen, die sich zu Neujahr so gute Vorsätze ausdenken. – Das ist ein zunächst eher anstrengender Weg. Wir müssen Veränderungen zunächst bewusst und willentlich vornehmen. Und dann müssen wir dafür sorgen, dass wir auch die ersten Widerstände unseres sich gegen diese Veränderungen wehrenden Körpers überstehen. Das kann beispielsweise ein ständiges Hinterfragen einer schlechten Angewohnheit sein. Oder eben, dass wir bewusst frische Lebensmittel einkaufen und die Fertigprodukte außen vorlassen. Natürlich ist diese Gewohnheitsveränderung erst mal anstrengend. Doch nach ein paar Wochen greifen wir automatisch zu frischen Tomaten und Kräutern statt zur Fertigsauce aus der Tüte.

Auch beim Einkaufen von Kleidung können wir eine Phase des Hinterfragens einläuten. Und auch das Belohnungssystem der Shoppingtour ein wenig austricksen. Jedenfalls hat das bei mir sehr gut funktioniert. Ich habe die Dinge, die ich kaufe, wertzuschätzen gelernt. Mein Fahrrad (ein sehr gutes Markenrad, gebraucht gekauft) fährt sich einfach unglaublich gut. Und es gefällt mir auch immer noch sehr gut – seit mehr als 10 Jahren. Warum sollte ich also ein neues Rad kaufen? Das funktioniert auch bei Kleidung sehr gut. Und auch bei vielerlei elektronischem Gerät.

Ein Sprichwort besagt doch schließlich auch: „Wer billig kauft, kauft teuer.“ Weil er meistens doppelt und dreifach kauft. Wobei sich billig eben nicht auf den Preis bezieht sondern auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Ich kann auch  viel Geld für schlechte Qualität ausgeben – vor allem für Dinge, die ich nur gerade in diesem Augenblick so schön, lustig oder interessant finde. Hingegen kann ich auch wenig Geld für gute Qualität ausgeben.

Wenn wir diesen Schritt geschafft haben, leben wir fortan sehr viel entspannter. Denn viele Dinge um uns herum können wir getrost ignorieren. So geht es mir beim Einkaufen von Lebensmitteln. Ich koche frisch und verzichte auf Fleisch. Fertiggerichte haben keinen Platz mehr in meinem Kühl- oder Gefrierschrank. So gucke ich mich beim Obst und Gemüse um, gehe weiter zu Nudeln oder Reis und muss mich hier nur noch auf die Qualität konzentrieren.

Wenn wir auch auf die vielen Online-Einkäufe verzichten lernen, sparen wir mit Sicherheit sogar viel Geld. Wie oft haben Menschen schon Dinge aus einem ersten Impuls heraus gekauft, die sie am Ende gar nicht benötigten? Wie oft vergisst man, die Dinge in der Rückgabezeit zurückzuschicken? Wenn ich vor Ort im Einzelhandel kaufe, kann ich mich sofort von der Qualität überzeugen, der Umtausch und der Service ist meist überhaupt kein Problem. Ich stärke auf diese Weise nicht nur den Einzelhandel in der Region – und somit Arbeitsplätze – sondern sorge auch dafür, dass die Kommune Steuereinnahmen erhält. Je mehr Nachfrage vor Ort, desto mehr wird sich der Einzelhandel darauf einstellen können. Nebenbei bemerkt sorge ich mit diesem Verhalten auch für weniger Verkehr, jedenfalls wenn ich nicht immer alles mit dem eigenen Auto erledige sondern zu Fuß gehe, mit den Öffis oder dem Rad fahre.

Von Pferdefleisch und anderen „Skandalen“

Oh weh, im Lieblingsessen der Fastfood-Generation ist Fleisch gefunden worden – und zwar Fleisch vom Pferd. Zuerst im europäischen Ausland, nun auch in Deutschland, doch von Anfang an war das Geschrei groß. Ganz schnell war die Rede vom Pferdefleisch-Skandal.

Doch was daran ist ein Pferdefleisch-Skandal? Das einzige, was verwerflich ist, ist dass das Fleisch falsch deklariert war. Das heißt, das Pferdefleisch wurde als Rindfleisch deklariert. Das ist nicht in Ordnung, denn das ist eine Täuschung der Verbraucher. Aber weswegen machen die Medien daraus gleich einen Skandal, darüber hinaus noch einen Pferdefleisch-Skandal?

Sehen wir uns einmal die Bedeutung des Wortes Skandal an: Ein Skandal ist ein Geschehen der Aufregung, der Empörung. Es bedeutet aber auch Lärm und Radau. Was also genau in diesem angeblichen Skandal rechtfertigt diesen Begriff? Pferdefleisch ist kein minderwertiges Fleisch. Es ist in der Regel sogar teurer als Rindfleisch. Warum also ist es ein Skandal, wenn jemand eine bessere Ware erhält als versprochen? Pferdefleisch gilt gemeinhin zudem als gesünder.

Wenn hier überhaupt von Skandal gesprochen werden darf, dann ist es der Skandal, dass die Medien Radau und Lärm machen, allein mit dem Ziel, Leser zu erhaschen. Ganz offensichtlich sind die meisten Medien der Meinung, dass eine sachliche Berichterstattung beim Leser nicht ankommt.

Zeitungen, Online-Nachrichten-Portale, Radio- und Fernsehsender hauen gerne mit der Keule zu, damit es ja auch etwas zu berichten gibt. So wird aus einer falschen Deklaration mit einem höherwertigen Produkt gleich ein Skandal. Unter solcher Berichterstattung gehen die eigentlichen Skandale längst unter und verloren. Oder wo ist der Aufschrei der meinungsmachenden Presse, dass häufig dem Orangensaft tierische Bestandteile beigemischt werden? Oder ist es nicht einen Skandal, also Medien-Aufschrei, wert, dass Lebensmitteln Dinge zugesetzt werden dürfen, ohne dass diese überhaupt deklariert werden müssen? Warum ist es der Nahrungsmittelindustrie erlaubt, Zucker in seinen unterschiedlichen Varianten als unterschiedliche Zutaten aufzuführen?

Warum skandalieren die Presse-Vertreter nicht, dass unser Billigfleisch die Kleinbauern in den Schwellenländern bedroht? Warum nicht, dass das Gift, das über den Bananen-Plantagen versprüht wird, die Landarbeiter krank macht und deren Erbgut schädigt?

Aber es ist ein Aufschrei wert, dass eine Britin schwanger ist. Es wird zur wichtigen Meldung gemacht, dass irgendjemand, meist ein Z-Prominenter, Würmer im Dschungel essen „musste“.

Ja, wir Menschen sind Tratschtanten. Nichts ist schöner, als sich das Maul über dieses oder jenes zu zerreißen. Wir lieben es, über unsere Mitschüler, Kollegen, Nachbarn, Familienangehörige herzuziehen. Und so ist es umso schöner, wenn wir solche Dinge extra heiß gekocht von der Journaille serviert bekommen. So müssen wir uns nicht einmal mehr anstrengen, ein Thema zu finden, über das wir mit anderen reden können. Auch das Wetter muss nicht mehr herhalten.

Schade nur, dass es kaum noch ein Blatt, ein Portal oder einen Sender gibt, die nicht bei solchen Dingen mitmischen oder sie sogar erst puschen. Es muss immer schön reißerisch sein. Superlative sind gefragt – auch dann, wenn sie noch so unsinnig sind. Da wird aus einem größten anzunehmenden Unfall (GAU) ein Super-GAU, aber wir regen uns auf, wenn einer von dem Einzigsten spricht. Dabei handelt es sich um Pleonasmus oder eben Superlativismus.

Das könnte als Stilmittel eingesetzt hier und dort pointieren. Doch wir bekommen solche Superlative um die Ohren gehauen, bis die Schwarte kracht. Dumm nur, wenn auf den Super-GAU (Tschernobyl) ein weiterer folgt (Fukushima), der vielleicht noch weitreichendere Folgen hat. Wie nennt man einen GAU, der das bisherige in den Schatten stellt?

Ich würde mich freuen, wenn wir zurück auf den Boden der Tatsachen kämen und die Dinge neu bewerteten. Dann hätte ich heute vielleicht lesen und hören können, dass Fertigprodukte falsch deklariert waren. Gesundheitlich schädlich waren die Produkte offensichtlich nicht. Jedenfalls habe ich nirgendwo eine solche Information dazu gefunden. Und wie schon erwähnt: minderwertig ist Pferdefleisch nicht – schon gar nicht besonders günstig. Natürlich ist es nicht in Ordnung, wenn Produkte falsch ausgezeichnet werden. Möglicherweise gibt es auch Allergiker, die kein Pferd vertragen. Dennoch ist der eigentliche Skandal die Berichterstattung. Und das sogar, bevor Deutschland betroffen war.

Neues Jahr, neues Glück

Frohes neues Jahr

Happy new year

Neues Jahr, neues Glück? Oder lieber: Neues Jahr, neues Glück!

Eines steht fest, das alte Jahr geht vorüber und in Kürze begrüßen wir das Jahr 2013. Noch immer sind es die Menschen nicht leid, sich für das „neue“ Jahr jede Menge Vorsätze zu machen, die – in der Silvesternacht spontan ausgesprochen – am Neujahrsmorgen verkatert meist schon wieder hinfällig sind. Zudem lesen viele, viele Menschen Horoskope und hoffen, dass zumindest die negativen Dinge nicht eintreten.

Sogar als seriös angesehene Medien entblöden sich nicht, Hellseher, Wahrsager und Astrologen zum zukünftigen Geschehen zu Wort kommen zu lassen. Seien es Wahlen, Bundesliga, bevorstehende Hochzeiten von Z-Promis oder die Weltwirtschaft, es gibt kein Thema, zu dem Scharlatane nicht befragt werden.

Schade, dass ich die vergangenen Tage abgeschaltet und so gar keine Nachrichten gesehen, gelesen oder gehört habe. So weiß ich persönlich nicht, was mir das kommende Jahr bringen wird. Auch nicht, ob es ein gutes Wahljahr für die Piraten, die Linke, die Grünen, die Liberalen, die Sozis oder die Schwarzen wird. So muss ich beispielsweise am 20. Januar wohl doch abends die Nachrichten verfolgen, wer in Zukunft das Land Niedersachsen regieren wird. Ohne orakeln zu wollen: große Überraschungen erwarte ich nicht. Das liegt aber nicht an meinen hellseherischen Fähigkeiten sondern lediglich an der Tatsache, dass ich die Niedersachsen als eher träges Wahlvolk einzuschätzen gelernt habe, von denen viele bei Glatteis sowieso nicht wählen gehen werden. Oder bei Regen oder bei Sonnenschein…

Ein paar Highlights kündigen sich für mich im kommenden Jahr aber doch an. So persönliche wie mein 50. Geburtstag, der nur 23 Stunden lang dauern wird, weil die europäischen Kloppsköppe von Politikern immer noch nicht kapiert haben, dass die Sommerzeit zwar viele Menschen und Tiere durcheinander bringt aber keinerlei Energie sparen lässt. Egal, ich feiere trotzdem und vielleicht auch meine verlorene Stunde später einmal nach. Kommt nur darauf an, ob sich jemand findet, der diese Stunde mit mir begehen will.

Beruflich starte ich im Januar gleich mit mehreren Veranstaltungen durch. Wie gut, dass ich jetzt etwas Atempause hatte. Denn am dem 7. Januar werde ich viel Arbeit haben, das steht jetzt schon einmal fest.

Gleichwohl hoffe ich, dass ich auch zu anderen Projekten komme, dich ich gerne umsetzen will. Da ist die Weiterentwicklung unserer Web-Präsenzen, das fertige Einrichten unseres Studios, in welchem ich zukünftig unsere Videos aufnehmen will. Und diese sollen auf Dauer regelmäßiger kommen. Auch dafür muss ich die Webseite ein wenig anpassen.

Privat möchte ich gerne wieder mehr fotografieren und mehr Zeit für meine Blogs haben. Das hat in der zweiten Jahreshälfte 2012 sehr gelitten. Mir schwirren so viele Themen im Kopf herum, doch ich komme einfach viel zu selten dazu, sie auch umzusetzen. Manche Themen sind daueraktuell, andere leiden irgendwie unter dem Faktor Zeit. Nicht immer hilft dabei ein Zeitmanagement, weil einfach zu viel auf der Agenda steht.

Und wie geht es Ihnen? Müssen Sie schon am 2. Januar wieder losziehen oder können Sie noch ein paar Tage verschnaufen?

Jedenfalls wünsche ich allen einen guten Start ins Jahr 2013. Sehen Sie es einfach als neues Glück!

Von Alti, der auszog, anderen das Stromsparen beizubringen

Energiesparen mit KerzeEs war einmal ein mittelalter Herr. Er hatte es weit gebracht. Zwar war es ihm nicht gelungen, eine Frau zu finden, somit konnte er auch keine Familie gründen, doch materiell ging es ihm richtig gut. Er konnte sich viele Reisen leisten, ein schönes Heim mit viel Platz und eines Tages erhielt er die volle Dosis Glück. In seinem kleinen Heimatland bekam er die Verantwortung zugeteilt, sich um die Natur und die Energie zu kümmern.

Zwar hatte seine Königin einige Zeit vorher in einer leichten Panikattacke einige unvorbereitete Entscheidungen getroffen, die die Freude an seinem Amt trübten, doch war Alti, so hieß der Herr, voller Fantasie. Und so hatte er schon tolle Ideen, wie die Königin trotzdem zum Ziel kommen könnte und er als kleiner Held da stehen würde.

Das kleine Land hatte seit einiger Zeit das Problem, dass viele Menschen nicht so fleißig waren wie Alti oder die Königin. Sie genossen lieber ihr Leben auf Kosten der Königin, von Alti und anderen Menschen, die stets fleißig waren und ihren Reichtum mehrten. Ein paar von Altis Kollegen und die Königin hatten in den vergangenen Jahren schon dafür gesorgt, dass diese Untertanen es sich nicht ganz so bequem in der Hängematte machten. Einige von ihnen mussten wieder arbeiten für ihr Auskommen. Wenngleich das Auskommen – sozusagen zur Strafe – auch nicht so groß war, dass sie Alti oder seinen Kollegen gefährlich werden konnten. Weiterlesen

Post: Warten, warten, warten – nur warum?

Wenn Sie – wie ich – zu den älteren Semestern gehören, erinnern Sie sich vermutlich gut an die Zeit, in der die Post noch die Post war mit all ihren Dienstleistungen wie Telefon, Brief- und Paketpost, Postbank und dergleichen. Es war das Postamt, welches man betrat, wohl wissend, dass hinter den mit Panzerglas abgesicherten Scheiben Postbeamte standen, die mitunter ganz gewichtig, vor allem aber sehr gewissenhaft, ihre Aufgabe erfüllten. Und das bedeutete meist auch längere Wartezeiten. Eine Briefmarke musste damals noch angeleckt und aufgeklebt werden, es gab keine selbstklebenden Aufkleberchen. Wer zur Post ging, musste auch (die) Zeit haben.

Mit der Privatisierung und der Spaltung der Post hat sich seither vieles verändert. Es gibt kein Hauptpostamt mehr sondern Postfilialen in Kiosken oder anderen Geschäften oder, wie bei uns in Braunschweig, Postbankfilialen, die Postdienstleistungen anbieten. Während zu Postzeiten noch alles akribisch in Blockschrift ausgefüllt werden musste, haben wir heute den modernen Dienstleistungsbetrieb mit Computer, Scanner und Co. Doch auch wenn Braunschweig keine Hauptpost, ja nicht einmal mehr Postfilialen hat, so hat sich eines nicht geändert: die Wartezeiten ganz besonders vor Weihnachten und anderen Feiertagen bzw. samstags.

Und so erlebt man immer wieder: warten, warten, warten

Post4Post am Samstag 11:44 Uhr, stelle mich draußen an, aber unter dem Dach. Wieviel Menschen vor mir stehen, kann ich nicht sagen. Nach fünf Minuten einen Schritt vorwärts gekommen, Stoppuhr gestartet. Nach weiteren drei Minuten kommt jemand raus und sagt: „Dauert nicht lange, hab ne halbe Stunde gewartet“, grinst und geht vorbei.

Ja, es ist ein großes Einzugsgebiet rund um den Willy-Brandt-Platz, doch woran liegen diese langen Wartezeiten? Seitdem die Paketschalter nach vorne in Richtung Eingang verlegt wurden, passiert es noch eher, dass man sich draußen anstellen muss. Ich habe mir Ohrhörer eingestöpselt, versuche die Zeit für meine Bildung und Unterhaltung zu nutzen. Andere Menschen unterhalten sich laut und man hört den Ärger und die Ungeduld in den Stimmen.

Natürlich – auch ich bestelle Sachen, deswegen stehe ich ja an – kaufen die Menschen immer mehr über das Internet. Sind Sie berufstätig, können sie ihre Päckchen und Pakete nicht entgegen nehmen. Also bleibt nur das Depot bei der Postfiliale bzw. bei der Postbankfiliale und die Lieferung in den kommenden sieben Werktagen abzuholen, wie es die Benachrichtigungskarte im Briefkasten verrät. Ein Blick auf die Benachrichtigung hatte verraten: ich darf mein Päckchen ab dem kommenden Tag (Samstag), 11 Uhr, abholen. Und schon wusste ich, will ich mein Päckchen am Wochenende haben, werde ich Geduld aufbringen müssen. Samstags ist es immer voll in der Postbankfiliale!

Okay, wieder ein paar Schritte geschafft, ich befinde mich mittlerweile innerhalb des Gebäudes. Es werden rund 20 Menschen vor mir sein, genau kann ich es nicht sehen, denn rundherum sind ja Regale mit Waren aufgestellt. Der Kunde soll ja Bücher, Blöcke oder Gimmicks in die Hand nehmen, um sie später zu kaufen. Immerhin, heute sind drei Schalter besetzt. Das heißt, beide Paketschalter sind besetzt und der Schalter für die anderen Postdienstleistungen hilft mit. Dadurch geht es zügiger voran.

Endlich, ich habe es geschafft. Ich kann mein Kärtchen abgeben und erhalte innerhalb von drei Minuten meine Sendung! Ein Blick auf die Uhr verrät: In der Tat, es hat mich rund eine halbe Stunde Wartezeit gekostet. Schön, dass es Hörbücher gibt!